Stressmanagement

Wenn die Seele leise zum Körper spricht - meine ganz persönliche Geschichte

„Die Seele leis’ zum Körper spricht: sag du es ihm. Mich hört er nicht.“

Mit diesem Zitat von Christian Morgenstern habe ich vor einiger Zeit meine Artikelserie über psychische Leiden begonnen, die sich über unseren Körper Ausdruck verleihen. Und mit genau diesen Worten möchte ich diese Serie nun auch beenden.

Einigen ist vielleicht aufgefallen, dass dieser Artikel – meiner bisherigen Frequenz folgend – eigentlich schon in der letzten Woche hätte erscheinen sollen. Zum Abschluss dieser Reihe wollte ich meine ganz persönliche Geschichte teilen. Und ehrlich gesagt: Dafür brauchte ich mehr Zeit, als ich zunächst gedacht hatte.

Es ist leicht, aus der Distanz zu schreiben. Über Themen, über andere Menschen, über Zusammenhänge. Wenn es jedoch um mich selbst geht, fällt es mir deutlich schwerer, die richtigen Worte zu finden. Worte, die ehrlich sind. Und liebevoll. Und wahr.

Lasst uns gemeinsam in die Vergangenheit reisen

Es ist lange her – und doch sind die Tage, in denen ich zum ersten Mal, ohne es zu wissen, mit einer dissoziativen Störung in Berührung gekommen bin, noch immer sehr präsent in meiner Erinnerung.

Du erinnerst dich vielleicht, dass dissoziative Krankheitsbilder häufig dann auftreten, wenn die Seele besonders schwer getroffen wurde – oft im Zusammenhang mit einem Trauma. Um das Unbegreifliche erträglich zu machen, spaltet sie Erlebtes ab. Das, was nicht gefühlt oder verstanden werden kann, sucht sich andere Wege: über den Körper. Über Bewegungseinschränkungen, Lähmungen, verändertes Bewusstsein oder – in besonders schweren Fällen – über das Entstehen zusätzlicher Persönlichkeiten, der dissoziativen Identitätsstörung.

Dissoziation ist kein „Versagen“. Sie ist ein Schutzmechanismus der Seele. – Ein verzweifelter, aber kluger Versuch, sich vor etwas zu bewahren, das sie sonst zerbrechen würde.

Zurück zu meiner Geschichte:

Damals arbeitete ich noch als Stewardess. Ich war frisch verheiratet und befand mich auf meinem ersten Langstreckenflug nach der Hochzeit. Eigentlich hätte der Himmel voller Geigen hängen sollen. Doch meiner Mutter ging es schon vor meiner Abreise nicht gut. Sie hatte Verdauungsprobleme, war häufig müde, hatte Gewicht verloren. Während ich in Calgary beim Frühstück in meinem Lieblingscafé neben dem Hotel saß, erreichte mich die Nachricht, sie sei „vorsorglich“ für weitere Untersuchungen im Krankenhaus. Ich solle mir keine Sorgen machen. Natürlich machte ich mir Sorgen. Unaufhörlich. Nach einem anstrengenden Nachtflug kam ich zu Hause an und wollte mich noch kurz hinlegen, bevor ich ins Krankenhaus fahren würde. Da kam der Anruf. Krebs.

Mein Körper ging in den Schock. Meine Seele begann zu funktionieren.

Ich organisierte, informierte, sagte eine kleine, für den nächsten Tag geplante Feier ab. Ich kümmerte mich. Ich regelte. Ich funktionierte – perfekt. So wie ich es immer tat, wenn es brenzlig wurde.

Am nächsten Tag folgte mehr Klarheit: mutmaßlich Darmkrebs. Bereits metastasiert, unter anderem in die Leber. Nach erster Einschätzung nicht heilbar. Ich hätte in diesem Moment so sehr den Austausch mit meiner Mutter gebraucht. Ein Gespräch. Eine Umarmung. Die Erlaubnis, für einen kurzen Moment einfach nur ein tieftrauriges Kind zu sein. Doch meine Mutter war nicht mehr dieselbe. Sie war da – und doch nicht erreichbar.

Ihr Blick war nicht leer, aber auf etwas gerichtet, das ich nicht sehen konnte. Ihr Gesichtsausdruck war fremd, fast beängstigend. Eine Freundin meiner Mutter und deren Tochter waren ebenfalls zu Besuch – beide sichtlich schockiert von ihrem Zustand. Ich versuchte zu beschwichtigen, zu erklären, zu relativieren – und war gleichzeitig so hilflos.

Tief in mir wusste ich an diesem Tag: Ich habe meine Mutter verloren. Nicht körperlich – aber seelisch. Ein Teil von mir glaubte, der Krebs habe ihr Wesen, ihre Persönlichkeit angegriffen. Ich hatte Angst, dass wir nie wieder so miteinander sprechen würden wie früher.

Ich blieb bis abends bei ihr im Krankenhaus. Am nächsten Tag sollte eine Darmspiegelung stattfinden. Zur Vorbereitung musste sie am Vorabend Abführmittel trinken. Ich weiß noch, wie verzweifelt ich versuchte, sie dazu zu bewegen. Doch ich konnte sie nicht erreichen.

Meine Mutter war weg – obwohl sie da war.

Wenn ich heute an diesen Moment zurückdenke, steigen mir noch immer die Tränen in die Augen. Die Verzweiflung, die Angst, die Hilflosigkeit sind noch immer spürbar.

Was ich erst viel später verstand

Erst Jahre später konnte ich begreifen, was damals geschah: Die Seele meiner Mutter reagierte völlig normal auf eine zutiefst traumatisierende Diagnose. Sie befand sich in einem dissoziativen Zustand – um sich zu schützen, um das Unfassbare langsam und in ihrem eigenen Tempo zu verarbeiten.

Wie sehr hätte mir damals eine Erklärung geholfen. Ein Arzt, der gesagt hätte: „Geben Sie ihr Zeit.“ Oder: „Dieser Zustand ist vorübergehend.“

Stattdessen hörte ich den Satz, ich sei ja frisch verheiratet und könne meiner Mutter vielleicht noch schnell den Wunsch nach einem Enkelkind erfüllen – das würde ihr sicher neuen Lebensmut und Kraft geben.

Ich bin überzeugt, dass dieser Arzt es gut meinte. Er wollte trösten. Und doch fühlte es sich für mich unglaublich übergriffig an – zumal das Thema Kinder kein Thema für meinen Mann und mich war.

In einer idealen Welt hätten insbesondere Ärzt:innen ein solides Verständnis für psychische Dynamiken – und die Zeit und den Raum, dieses Wissen auch empathisch einzusetzen. Es gibt sie, diese Ärzt:innen, ja, aber vielleicht zu selten. Ich wünschte mir, unser Gesundheitssystem würde Sorge tragen, dass es sie häufiger gibt, dass Ärzt:innen entsprechend geschult werden, nicht nur fachlich, sondern auch in Gesprächsführung – noch ausführlicher, als es aktuell der Fall ist. Und verpflichtend!

Es folgte eine lange und intensive Reise, während der ich noch all die Gespräche mit meiner Mutter führen konnte, die ich an diesem Tag in der Klinik dachte verloren zu haben. Gestern hat sich ihr Todestag einmal mehr gejährt, und auch nach all den Jahren bin ich erstaunt, wie konsequent die Zeit vergeht, wie unaufhaltsam das Leben immer weiter passiert und wie präsent doch dieses Gefühl der Liebe bleibt – und der Dankbarkeit für die Jahre, die ich meine Mutter an meiner Seite hatte.

Zurück in die Gegenwart

Einer der Onkologen meiner Mutter sagte mir damals sehr eindringlich, dass es bei Darmkrebs familiäre Häufungen gebe. Ich solle bitte früher und regelmäßiger zur Vorsorge gehen. Damals war ich fest entschlossen, genau das zu tun. Wie so oft im Leben verblasst ein Vorsatz mit den Jahren. Bis mich die Geschichte meiner Mutter Ende letzten Jahres wieder einholte.

Im Sommer begann es mit gelegentlichem Sodbrennen. Dann kam es täglich. Dazu Völlegefühl, Bauchschmerzen, Verdauungsprobleme jeder Art. Ich dachte an Stress. An Unverträglichkeiten. Doch egal, was ich aß oder nicht aß – die Symptome wurden stärker.

Als mein Hausarzt dringend zu einer Magen- und Darmspiegelung riet, traf mich dieser Satz ins Mark: „Bei deiner familiären Vorbelastung müssen wir das Schlimmste sicher ausschließen.“

Das Schlimmste. Richtig. Da war ja etwas. Ich zeigte nahezu dieselben Symptome wie meine Mutter vor ihrer Diagnose. Und auch bei mir war das Blutbild unauffällig.

Der nächste freie Untersuchungstermin: Ende Mai. Es war Januar. Besser als nichts. Und sicher ist es nur Stress. Die Seele leis’ zum Körper spricht …

Doch dann spitzte sich alles zu. Ich begann Gewicht zu verlieren, konnte nur noch kleine Portionen essen, schlief nicht mehr. Die Angst verstärkte die Symptome – die Symptome verstärkten die Angst. Ich war gefangen in einem Kreislauf, aus dem ich mich kaum noch selbst befreien konnte.

Zum Glück fand ich schließlich eine Praxis, die mir kurzfristig einen Notfalltermin anbot.

Zwischen Angst und Hoffnung

Am Tag der Untersuchung war ich erleichtert – und gleichzeitig voller Angst. Angst davor, aus der Narkose aufzuwachen und im Gesicht des Arztes die Antwort zu lesen. Als ich erwachte, sah ich zuerst in das Gesicht einer freundlichen Krankenschwester. Sie brachte mir Kaffee. Draußen schien die Sonne. Einer dieser ersten Frühlingstage.

„Der Arzt kommt gleich.“

Dieses „gleich“ dehnte sich endlos. Und irgendwann beschloss ich, diesen Moment bewusst zu genießen. Der Kaffee schmeckte gut. Ich hatte Kekse dabei. Die Sonne wärmte.

Vielleicht, dachte ich, ist dies der letzte Moment unbeschwerter Normalität.

Dann kam der Arzt, der mir meine Sorge wohl schon von Weitem ansah. Noch ehe er sich setzte, sagte er diesen wunderbaren Satz: „Alles gut. Es ist nichts Schlimmes.“

Kein Krebs. Stattdessen Reflux, eine Magenschleimhautentzündung, ein gereizter Darm. „Hatten Sie viel Stress?“ – psychosomatisch, wie so oft.

Wenn er wüsste.

Und dann ist alles gut – oder?

Die Sonne schien heller, als ich die Praxis verließ. Seit drei Wochen helfen die Medikamente nun sehr gut. Und die Gewissheit, dass es kein Krebs ist, ist unbeschreiblich.

Was bleibt, ist die Frage, die sich viele Menschen mit psychosomatischen Erkrankungen stellen: Was jetzt?

Denn „Achte besser auf dich“ ist leichter gesagt als gelebt.

Seit Jahren begleite ich im Rahmen meiner Arbeit andere Menschen dabei, ihre Stressmuster zu erkennen und zu bearbeiten. Nun bin ich selbst auf dieser Reise. Und ich merke: Es geht bei mir weniger um Arbeitsbelastung als um innere Haltungen, um Sorgen und Ängste, Versagensängste, denen ich manchmal zu viel Raum gebe.

Psychosomatische Erkrankungen sind allgegenwärtig. Und doch werden sie selten wirklich verstanden. Der erste Weg führt immer zum Arzt – der zweite sollte zur Ursache führen. Denn auch die besten Medikamente helfen bei psychosomatischen Erkrankungen nur temporär. Auch ein Teil von mir fragt sich, wie es wird, wenn ich meine Tabletten fertig genommen haben werde. An dieser Stelle beginnt auch mein Weg zur Ursache – und zum Musterbruch!

Wenn auch du dich auf diesen Weg machen möchtest, begleite ich dich von Herzen gern. Nicht nur, weil ich es professionell kann und Erfahrung in dieser Begleitung habe. Sondern nun auch, weil ich weiß, wie sich dieser Weg anfühlt. Wenn du möchtest, vereinbare gerne ein kostenfreies und unverbindliches Erstgespräch.

Ich wünsche dir schöne Osterfeiertage. Ich gönne mir einen kurzen Urlaub, und mein Blog ist am 26. April mit einem neuen Artikel zurück. Ein Thema dafür habe ich übrigens noch nicht. Aber vielleicht hast du ja eine Idee, worüber du gerne lesen möchtest. Ich freue mich über Input!

Constance

Volkskrankheit Burnout? - Tabuthema Depression

Für Ralf…

Kevin Kühnert tritt nicht nur als Generalsekretär der SPD zurück, sondern zieht sich offenbar für den Moment komplett aus der Politik zurück.

Die Spekulationen beginnen sofort. Ein junger Mann, noch keine 40 Jahre alt, ist auf absehbare Zeit offenbar nicht arbeitsfähig. Krebs? Oder eine andere schwere körperliche Erkrankung? Die tatsächliche Antwort bleibt offen. Allerdings werden die Hinweise deutlicher, dass es sich um eine emotionale oder psychische Erkrankung handeln könnte. Burnout heißt es im Volksmund. Ein Begriff, der immer präsenter wird. Dabei ist Burnout, rein psychotherapeutisch betrachtet, keine Diagnose. Diese Form der Erkrankung ist im aktuellen ICD-10-Katalog zur Klassifikation psychischer Störungen nicht aufgeführt. In der reinen Diagnostik muss man sich im Bereich der depressiven Episoden bedienen – Überlastungsdepression? Doch offen bleibt die Frage, was genau Burnout eigentlich ist.

Burnout – ein Zustand emotionaler, geistiger und körperlicher Erschöpfung

Ein Burnout wird als Zustand emotionaler, geistiger und körperlicher Erschöpfung durch anhaltenden Stress, insbesondere im beruflichen Umfeld, beschrieben. Menschen, die unter einem Burnout leiden, fühlen sich oft überfordert, ausgebrannt und nicht in der Lage, ihre täglichen Aufgaben zu bewältigen. Typische Symptome sind:

  • Anhaltende Müdigkeit

  • Rückzug von sozialen und beruflichen Verpflichtungen

  • Negative Einstellung gegenüber der Arbeit

  • Konzentrationsschwierigkeiten

  • Geringe Motivation und Kreativität

Ein Burnout entwickelt sich häufig über einen längeren Zeitraum, wenn Stress dauerhaft und ohne ausreichende Erholung oder Unterstützung anhält.

Was lässt uns ausbrennen?

Schauen wir uns genauer an, welche Faktoren die Entstehung eines Burnouts begünstigen. Diese lassen sich in vier Felder einteilen:

Im ersten Feld finden wir den wahrscheinlich offensichtlichsten Punkt, der ein Burnout begünstigt: chronische Überforderung im Beruf. Dazu gehören eine hohe Arbeitsbelastung, also zu viele Aufgaben, womöglich in Kombination mit hohem Zeitdruck und unrealistischen Zielen. Dies führt zum Gefühl ständiger Überforderung. Hinzu kommt das Gefühl mangelnder Kontrolle, also der fehlende Einfluss auf Entscheidungen und Arbeitsprozesse, oft gepaart mit mangelnder Anerkennung oder Wertschätzung sowie einem negativen Arbeitsklima oder einer ungünstigen Unternehmenskultur. Inzwischen spricht man offen über toxische Arbeitsumfelder, da diese unglücklicherweise keinen Seltenheitswert haben.

Das zweite Feld betrifft eine mangelhafte oder fehlende Work-Life-Balance, also zu wenig Freizeit und zu kurze Erholungsphasen. Insbesondere in Zeiten von Homeoffice oder hybridem Arbeiten verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben zunehmend, was das Gefühl von Stress verstärken kann. Wenn das Wohnzimmer zum Arbeitsplatz wird, greift man schnell mal auch abends um neun zur Tastatur, um noch schnell eine E-Mail zu beantworten.

Im dritten Feld sehe ich persönliche Faktoren: familiäres Umfeld, Geldsorgen, persönliche Krisen, Einsamkeit… Dazu gehören aber auch Perfektionismus und das ständige Streben nach den eigenen, oft gnadenlosen Ansprüchen an sich selbst. Einige Menschen haben nie gelernt, eigene Strategien zur Stressbewältigung zu entwickeln.

Das vierte Feld ist aus meiner Sicht als Coach besonders interessant: das Gefühl der Sinnlosigkeit oder der Mangel an Sinnhaftigkeit. Wenn wir das Gefühl haben, unsere Arbeit ist bedeutungslos oder trägt nichts Positives bei, kann das zur Entfremdung in Bezug auf die eigene Tätigkeit führen und Frustration auslösen. Man sollte sein Bedürfnis nach einem größeren „Wofür“ nicht unterschätzen. Unsere Seele, unser Unterbewusstsein, schätzt es gar nicht, wenn wir unsere kostbare Zeit sinnlos vergeuden – und das zu Recht!

Wie sich schützen?

Um ein Burnout zu vermeiden, geht es immer auch darum, die eigene Resilienz zu stärken. Es gibt sieben Bereiche, in denen man aktiv werden kann. Allerdings lesen sich diese Empfehlungen oft einfach und leuchten sofort ein. Doch bei der Umsetzung im Alltag wird es schwieriger. Hier kommt oft die Unterstützung durch Coaches wie mich ins Spiel.

Es ist wichtig, sowohl im beruflichen als auch im privaten Leben Maßnahmen zu ergreifen, die das Stressempfinden reduzieren und die eigene Achtsamkeit steigern. Hier also sieben wirksame Strategien, an denen es sich zu arbeiten lohnt – ob allein oder mit Unterstützung eines Coaches:

  1. Gesunde Work-Life-Balance aufbauen: Es ist wichtig, klare Grenzen zu setzen. Arbeit und Freizeit sollten getrennt werden, und auch die eigene Erreichbarkeit sollte kritisch beleuchtet werden. Regelmäßige Pausen während der Arbeit und längere Erholungsphasen in Form von Urlaub sind essenziell. Auch Zeit für Hobbys und die Pflege sozialer Kontakte sind wichtig.

  2. Stressbewältigungstechniken erlernen: Stressmanagement geht mit gutem Zeitmanagement einher. Achtsamkeitsübungen und Meditation helfen, den Fokus im Hier und Jetzt zu halten und Stress zu reduzieren. Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training, Atemübungen oder Yoga können ebenfalls hilfreich sein.

  3. Persönliche Grenzen respektieren: Lernt, „Nein“ zu sagen, und akzeptiert, dass ihr nicht alles schaffen könnt. Legt Perfektionismus ab. Fehler sind in Ordnung, überzogene Erwartungen an sich selbst nicht!

  4. Gesunde Lebensweise pflegen: Körper und Geist bilden eine Einheit. Regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf sind die Grundlage für einen gesunden Geist.

  5. Sinn in der Arbeit finden: Identifiziert die Aspekte eurer Arbeit, die euch Freude bereiten oder Sinn geben. Falls das schwerfällt, ist ein Jobwechsel möglicherweise eine Option. Berufliche Weiterentwicklung schützt uns davor, in eine Routine der Sinnlosigkeit zu verfallen.

  6. Soziale Unterstützung suchen: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Offene Gespräche über individuelle Themen ermöglichen Reflexion und bieten Unterstützung. Neben Freunden und Familie können auch Coaches oder Therapeuten hilfreich sein.

  7. Frühwarnzeichen ernst nehmen: Je früher man gegensteuert, desto leichter lässt sich ein Burnout verhindern. Achte auf Anzeichen von Überlastung wie ständige Müdigkeit, Gereiztheit oder das Gefühl, nicht abschalten zu können.

Raus aus der Schmuddelecke?

Die gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber Burnout und Depressionen verändert sich langsam zum Besseren. Dennoch sind beide oft noch Tabuthemen, insbesondere in (Arbeits-)Umfeldern, in denen Leistung und Belastbarkeit hoch geschätzt werden. Burnout wird oft als Schwäche ausgelegt und ist mit Scham behaftet. Menschen zögern, über ihre Erschöpfung und psychische Belastung zu sprechen, aus Angst, als schwach wahrgenommen zu werden. Dieses Stigma führt dazu, dass Betroffene ihre Symptome ignorieren und erst spät nach Hilfe suchen.

Es wird Zeit, Burnout und Depression auf allen Ebenen unserer Gesellschaft als ernsthafte Erkrankungen anzuerkennen, die ebenso wie körperliche Leiden behandelt werden müssen. Ein offener Diskurs baut die Stigmatisierung dieser Erkrankungen ab und schärft das Bewusstsein für die Problematik.

Etwa ein Drittel von uns erkrankt im Laufe unseres Lebens an Depressionen. Jährlich erkranken etwa fünf Prozent der Deutschen an einer depressiven Episode. Es ist davon auszugehen, dass die Dunkelziffer höher liegt, da viele Fälle nicht diagnostiziert und somit nicht behandelt werden.

In der Diagnostik unterschiedet man zwischen leichter, mittlerer und schwerer Depression. Etwa 50 bis 60 Prozent der Menschen, die an einer schweren Depression erkranken, haben suizidale Gedanken. 10 bis 15 Prozent sind akut Suizid gefährdet. Bei Depressionen handelt es sich um eine potenziell lebensgefährliche Erkrankung, insbesondere wenn diese nicht diagnostiziert und behandelt wird. - Und niemals um Schwäche!

Ein offener Umgang mit dem Thema kann Leben retten.

Lasst uns darüber sprechen und den Erkrankten die Wertschätzung und Unterstützung entgegenbringen, die sie verdienen. Die dunkle Jahreszeit steht bevor, und ja, ein Mangel an Sonnenlicht kann depressive Episoden begünstigen. Lasst uns aufeinander achten, ohne einander zu be- oder verurteilen.

Eure Constance

Tabuthema Burnout

Von der Scham der Traurigkeit und Erschöpfung...

Resilienz als Kernkompetenz in einer komplexen und dynamischen Welt

Von Hypes und Modeerscheinungen

Resilienz- Modeerscheinung oder Kernkompetenz? Der Begriff selbst geistert nun schon seit einigen Jahren durch die Wirtschaftswelt und unweigerlich stellt sich die Frage, ob das Thema wirklich so groß und wichtig ist, oder ob es sich um die nächste sprichwörtliche Sau handelt, die durch jedes Dorf getrieben wird. Wir sprechen inzwischen nicht nur von resilienten Individuen, sondern auch von resilienten Systemen und Prozessen, resilienten Teams und sogar von resilienten Organisationen. Was ist dran an diesem vermeintlichen Allheilmittel? Ich selbst bin erstmals vor zwölf Jahren als Human Factors Trainer in der Luftfahrt über dieses Thema gestolpert, als Resilienz in den verpflichtenden Trainingssyllabus für Cockpit- und Kabinenbesatzungen aufgenommen wurde. Was hat es auf sich mit dieser Resilienz? Welche Bedeutung hat dieses Phänomen in einem dynamischen und komplexen Umfeld wie zum Beispiel der Luftfahrt? Dazu musste ich zunächst einmal verstehen, was Resilienz genau ist.

Resilienz - eine Begriffsklärung

Der Begriff Resilienz entspringt dem lateinischen Wort “resilire”, das auf Deutsch so viel heißt, wie “zurückspringen” oder “abprallen” und ursprünglich wurde dieser Begriff auch gar nicht in der Psychologie, sondern in der Physik verwendet. Hier beschreibt er die Eigenschaft eines Körpers (wie zum Beispiel einer Feder), nach seiner Verformung in seinen ursprünglichen Zustand zurückzukehren. Die Psychologie hat den Begriff irgendwann übernommen und beschreibt mit dessen Hilfe die psychische Widerstandsfähigkeit, Krisen zu bewältigen, bzw. die Fähigkeit während oder nach stressvollen Ereignissen seine psychische Gesundheit zu erhalten, bzw. schnell wieder herzustellen. So weit weg von der ursprünglichen Idee der Physik ist das für mich tatsächlich nicht. Ich stelle mir vor, dass meine Seele (oder wie auch immer ihr euer Gefühlsleben zusammenfassen möchtet) durch ein einschneidendes Ereignis kurzzeitig ein wenig aus der Form gerät, dann jedoch wieder in seine ursprüngliche Form zurückfindet und auf dem Weg dahin sogar noch etwas über sich selbst lernt. In der Praxis kann man Resilienz zum Beispiel an Menschen wahrnehmen, die unter widrigsten Umständen groß werden, trotzdem nicht von ihrem Weg abkommen und sich später erfolgreich in die Gesellschaft einordnen. In diesem Zusammenhang hat die US-amerikanische Psychologin Emmy Werner (die übrigens in Eltville am Rhein geboren wurde) in der zweiten Hälfte der 20. Jahrhunderts eine richtungsgebende Studie durchgeführt, die unter dem Namen Kauai Studie in die Annalen der Resilienzforschung eingegangen ist.

Eine weitere viel beachtete Studie hat der US-Amerikaner Aaron Antonowsky mit Holocaust-Überlebenden durchgeführt. Hier fiel auf, dass es Überlebenden von Verfolgung und Konzentrationslagern gab, denen es nach ihrer Befreiung recht schnell gelang wieder Fuß zu fassen und sich ein erfülltes und glückliches Leben aufzubauen. Andere hat der Schrecken der Schoah zeitlebens so intensiv verfolgt, dass sie nicht mehr in der Lage waren, sich ein normales und zufriedenstellendes Leben aufzubauen. Erlebt hatten beide Gruppen durchaus Vergleichbares. Der Unterschied war, dass die Teilnehmenden aus der ersten Gruppe allesamt eine höhere Resilienz aufwiesen, als die der zweiten Gruppe. Mit einer hohen Resilienz ist es den Menschen schneller gelungen, sich an neue Rahmenbedingungen anzupassen, im Schrecken, wie im Schönen, und den Blick in die Zukunft zu richten, um die Vergangenheit weitestgehend zurückzulassen.

In der Psychologie wird Resilienz auch immer wieder Zusammenhang mit Menschen verwendet, die jede nur denkbare Art der Lebenskrise (schwere Krankheit, Krieg, Drogenabhängigkeit, etc.) erfolgreich durchstehen, oder die sich von plötzlichen Traumata (plötzlicher Verlust eines nahen Angehörigen, Vergewaltigung, etc.) zügig und vor allem abschließend erholen. Es geht also um die Flexibilität unserer Seele.

Wo kommt meine eigene Resilienz her?

Die wissenschaftliche Suche nach den Ursprüngen der individuellen Resilienz ist eine noch recht junge und aktuelle Suche. In den Jahren 2008, 2012 und 2014 kamen drei unabhängige Studien mit Zwillingen zum Schluss, dass etwa 40 Prozent unserer individuellen Resilienz genetisch bedingt ist. Ob das jetzt viel oder wenig ist? Keine Ahnung. Immerhin bleiben ganze 60 Prozent übrig, die zum einen durch individuelle Erfahrung geprägt sind, die wir insbesondere im Laufe unserer Kindheit und Jugend machen. Zum anderen hängt Resilienz auch mit unserer inneren Haltung oder unseren inneren Bewertungsprozessen zusammen. Manchmal ist es einfach nur eine bewusste Entscheidung, ob das Glas denn nun halb voll oder halb leer ist. Bei all der Genetik und dem Umstand, dass ich neben meinen Genen auch meine Kindheit nicht mehr ändern kann, empfinde ich das als tröstlich. Ich kann offensichtlich selbst an meiner Resilienz arbeiten. Es gibt zahlreiche Hinweise, dass Resilienz tatsächlich trainierbar ist. Die US Army führt seit 2009 gemeinsam mit der Universität von Pennsylvania ein sehr aufwendiges und kostenintensives Resilienztraining für ihre Soldaten durch und auch bei der Bundeswehr gewinnt die “psychische Ressourcenstärkung” zunehmend an Bedeutung. In diesen Trainings geht es ähnlich wie in meinen Coachings vor allem um Mindset-Arbeit, um die bewusste Reflexion der eigenen Haltung und um Strategien zur bewussten Gestaltung dieser Haltung. Die Zielsetzung dieser speziellen Trainings im Kotext der Streitkräfte ist es, die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer posttraumatischen Belastungsstörung nach einem traumatischen Erlebnis im Einsatz zu minimieren. Je resilienter der Mensch, desto geringer die Wahrscheinlichkeit als Folge eines Traumas an einer PTBS zu erkranken.

Und was ist mit all jenen, die nicht in den Krieg ziehen?

Auch wenn sich unsere dynamische, komplexe, mehrdeutige und ungewissen Welt, die wir inzwischen kurz als VUKA beschreiben, ein bisschen nach Krieg, oder wenigstens nach einer schweren Schlacht anhört, ist wirklicher Krieg für die meisten von uns zum Glück sehr weit weg. Ja, der ein oder andere Kunde, Chef oder Kollegen lässt anderes vermuten und auch die Konkurrenz stellt hier und da ein verdammtes Drohszenario dar. In den aller wenigsten Fällen hat das jedoch wirkliches Potenzial für ein Trauma! Also was um alles in der Welt sollen wir Otto-Nomarlos in Friedenszeiten mit Resilienz?

Resilienz als Kompetenz in einer komplexen und dynamischen Welt

Unsere (Arbeits-) Welt ist in den letzten 30 Jahren immer dynamische und komplexer geworden und wir Menschen sind gut beraten uns immer wieder und wieder anzupassen. “Change” oder Veränderung ist schon lange kein singuläres Event mehr, sondern vielmehr ein Dauerzustand. Nichts ist so gewiss wie die Ungewissheit und nichts ist so sicher wie die Veränderung. Um hier flexibel mitgehen zu können, braucht es eine flexible Seele, oder eine hohe Resilienz.

Auch Führung hat sich in diesem Kontext stark verändert. Traditionell war es der Chef, der die höchste fachliche Kompetenz hatte und aus dieser Kompetenz heraus genau sagen konnte, wer was wie und wann machte, um das gewünschte Ziel zu erreichen. Inzwischen geben Chefs nach wie vor das Ziel vor. Der Weg dort hin ist nicht selten eine Einzelfallentscheidung. Rahmenbedingungen und auch technische Voraussetzung verändern sich so schnell, dass auch der Weg zum Ziel sich stetig verändert. Und an dieser Stelle betrachten wir ausschließlich die gestiegene Dynamik. Das Thema Komplexität lasse ich hier zur Vereinfachung der Betrachtung außen vor. Der Job von Führung im Rahmen der Zielerreichung ist es folglich vor allem Rahmenbedingungen zu schaffen, innerhalb derer die Mitarbeitenden selbstständig erarbeiten, was genau sie wann und wie tun müssen, um das Ziel zu erreichen. Diese neue große Freiheit auf Teamebene hat einen Preis: Der oder die einzige, die mich in diesem neuen Kontext, den wir gerne als New Work bezeichnen, vor einer Überlastung bewahren kann, bin ich selbst. Gefragt ist an dieser Stelle die Fähigkeit der sogenannten bewussten Selbstführung, die uns differenziert entscheiden lässt, wie stark wir uns abgrenzen müssen oder möchten, wo wir eine ausgewogene Balance zur Perfektion ziehen und wie bewusst wir unsere Erfolge wahrnehmen, um nicht im Hamsterrad der New Work verloren zu gehen. Nun sind wir also wieder beim Modell von Iris Fischer, das ich euch bereits in meinem letzten Artikel vorgestellt habe und kehren zurück zu meiner initialen Frage: Ist Resilienz eine Modeerscheinung? -Ganz klar nein! Aus meiner Sicht handelt es sich bei Resilienz nicht nur um eine absolute Kernkompetenz in der modernen Arbeitswelt, sondern auch um eine wertvolle Überlebensstrategie in wunderschönen, aber auch dynamischen, komplexen und unklaren Zeiten.

Wie leer oder voll sind eure Gläser? Wie ist es um euere Haltung bestellt und wie flexibel seid ihr? Die Beschäftigung mit diesen oder ähnlichen Fragen ist ein erster Schritt, sich dem großen Thema Resilienz selbstständig anzunähern. Für all jene, die tiefer eintauchen wollen oder vielleicht sogar das Gefühl haben zu müssen, stehe ich in meiner Rolle als Coach sehr gerne zur Verfügung. Die ein oder anderen Idee, wie ich arbeite, habe ich euch ja bereits im letzten Artikel dargestellt.

Eure Constance

Resilienz

Die Anpassungsfähigkeit an jede Umwelt…