Gesellschaft

Über den Stress des Neuanfangs und den Stress des Durchhaltens und die Ruhe, die man nie verlieren sollte

Aller Anfang ist schwer…

Ich habe ja versprochen euch daran teilhaben zu lassen, wie es ist, mit über Vierzig sein Arbeitsleben komplett umzukrempeln. Heute ist es soweit, denn nach einer verrückten Woche gibt es endlich auch etwas Blog-Füllendes zu berichten. Wie ich meinen Instagram Followern bereits Mitte letzter Woche erzählt habe, musste ich erstmal akzeptieren, dass es eben ruckelt, wenn das Leben in den nächsten Gang schaltet. Was war los? Meine erste Erkenntnis war keine wirklich neue: ich bin ein Menschen-Mensch! Wenn ich mich in einer neuen Situation orientieren muss, versuche ich als erstes, die Stimmung und die Atmosphäre zu erspüren. Einfach nicht möglich, im Homeoffice mit Video-Calls! Es ist zu befürchten, dass mir dieses “reinspüren” in die neue Welt noch einige Monate verwehrt bleiben wird! Dafür darf ich mich mit ganz neuer, komplizierter, komplexer Technik auseinandersetzen. Dabei fehlt mir meine Ex-Kollegin Petra ungemein, weil ich eben nicht mal “Hilfe” in Richtung Nachbarschreibtisch rufen kann und da jemand sitzt, der sich hundert Prozent auskennt! Bin allein zuhause und kämpfe mich durch! Verdammt! Aber wisst ihr, was für mich persönlich am schwierigsten ist? Ich verstehe manchmal nur Bahnhof! Ehrlich, ich lerne gerade eine neue Sprache, ich habe mir sogar ein Vokabelheft angelegt. Mir, als Kommunikationstrainer, bleibt die Erkenntnis, dass man wirklich keine Chance hat, irgendetwas richtig zu machen, wenn man nichts versteht. Ganz ehrlich, es gab diesen Moment, sogar gleich zwei Mal, in dem ich mich wirklich gefragt habe, was ich hier tue und ob ich mich nicht übernehme. Und eh ich mich berappeln konnte, hat mein Hirn mich in eine kleine Frust- und Verweigerungshaltung katapultiert, die sich gewaschen hat! Klar gingen auch diese Momente vorbei, auch weil ich tolle neue Kollegen habe, die mich nach Kräften aus der Distanz unterstützen und offensichtlich deutlich geduldiger mit mir sind, als ich es mit mir selbst bin. Als ein Freund mich am Freitag gefragt hat, wie die Woche war, konnte ich sie erstmal nur mit dem Wörtchen stressig zusammenfassen. Ich dachte mir, das passt am besten. Aber vielleicht hätte ich dazu sagen sollen, dass die Woche stressig und trotzdem auch gut, spannend und schön war. Besagter Freund hat mir nämlich erstmal die geballte Ladung an Mitleid entgegengeschleudert und mir gewünscht, dass es bald besser wird… Das hat mir einmal mehr vor Augen geführt, dass Stress im Allgemeinen total negativ belegt ist. Das finde ich aus der Sicht des Human Factors Trainers total schade. Denn Stress ist eigentlich unser mächtigster Verbündeter. Stress lässt uns über uns selbst herauswachsen, machts uns stark und mutig und manchmal schützt er uns vor der Welt und vor uns selbst. Aber lasst mich mal von vorne anfangen.

Stress, unser größter Alltagsfeind?

Im allgemeinen Sprachgebrauch hat das Wort Stress inzwischen oft die Bedeutung von Erschöpfung, Überarbeitung oder Kontrollverlust. Dies sind aber alles Zustände, die eintreten, wenn Stress zu häufig, zu lange oder zu wenig zielgerichtet zum Einsatz kommt. Stress ist zu einem Synonym für Überlastung geworden. Dabei ist Stress eigentlich ein sehr nützliches Tool zur Leistungssteigerung, denn physiologisch betrachtet ist Stress ein komplexes Phänomen, dass dafür sorgt, dass verschiedene physische und psychische Anpassungsprozesse stattfinden. Einen Anpassungsprozess brauche ich gerade ganz dringend, also brauche ich auch Stress. Im Prinzip dürft ihr Stress auch gerne als eine Art Muskel sehen, den man anspannen kann, um eine bestimmte Leistung zu erbringen.

Um Stress bewusst für sich zu nutzen, ist es hilfreich. sich zwei Fragen zu stellen:

  1. Was ist mein Ziel? Also warum stresse ich mich?

  2. Wie setze ich diese physiologische Leistungssteigerung, die wir hier Stress nennen, gesund ein? Also wie stresse ich mich richtig?

Durch diese bewusste Auseinandersetzung mit Stress, kann es mir langfristig gelingen, Stress positiv zu bewerten und als wertvolle Ressource einzusetzen. Das hat den schönen Nebeneffekt, dass mir diverse physische und psychische Folgeerkrankungen von Dauerstress erspart bleiben.

Warum stresse ich mich denn nun?

Um diese Frage angemessen klären zu können, müssen wir zwischen zwei Arten von Stress unterscheiden: dem Veränderungs- und dem Durchhaltestress.

Stress verursacht durch Veränderungen (wie in meinem Fall ein neuer Job) wird benötigt um von einer Ausgangssituation hin zu einer Zielsituation zu gelangen, die in den allermeisten Fälle zu einer dauerhaft positiven Veränderung führt (die Gründe für meine gegenwärtige Veränderung habe ich ja in den letzten Wochen hinlänglich beschrieben). In einer solchen Situation ist es hilfreich, regelmäßig bewusst aus der Belastung herauszutreten und sich immer wieder zu überlegen, welche vorhandenen Ressourcen man an welcher Stelle bewusst einsetzen kann, um bestmöglich voranzukommen. Zudem ist es ratsam, sich gedanklich in die Zukunft zu katapultieren, um möglichst genau zu beleuchten, wie es sein wird, wie es sich anfühlen wird, wenn man seine Zielsituation erreicht haben wird. Das hilft auch dabei, zu evaluieren, ob das was sein wird, das gegenwärtige Stresslevel überhaupt wert ist. In meinem Fall bin ich mir da zu hundert Prozent sicher. Ich war aber auch schon in Situationen, in denen genau dieser Prozess dazu geführt hat, dass ich einfach losgelassen habe, weil der potenzielle Outcome es mir nicht wert war. Denn eines muss klar sein: der Mensch ist ausgesprochen leistungsfähig und jeder Einzelne von uns ist wahrscheinlich stärker, als er oder sie es sich selbst vorstellen kann. Aber alles hat seine Grenzen und wir sollten unsere Ressourcen bewusst nutzen und nicht einfach so verbrennen. Also immer rein in den Veränderungsstress, wenn es die Veränderung wert ist! Aber Vorsicht Falle: Das sollte auch nicht zur Entschuldigung dafür werden, sich gar nicht mehr zu verändern! Radikaler Mut zur Ehrlichkeit gegenüber sich selbst ist gefragt!

Beim Durchhaltestress verhält es sich ein wenig anders, da hier der Weg das Ziel ist. Es geht darum, eine besonders belastende Situation auszuhalten, durchzuhalten. Ich erinnere mich an die Zeit, in der ich mich um meine schwer kranke Mama gekümmert habe. Für mich ging es darum, einfach nur durchzuhalten, ohne Ziel. Ich habe recht flott gespürt, dass meine Kräfte begrenzt sind. In solche Situationen ist es ausgesprochen ratsam, sich zu fragen, was einem wirklich wichtig ist, vielleicht auch, wenn man in fünf Jahren auf eben diese Phase zurückschaut. Hierbei geht es vor allem um Werte, denen man treu bleiben sollte. Damals, als das Lebensende meiner Mutter immer näher kam und meine Kräfte zunehmend geschwunden sind, habe ich mich dafür entschieden, eine interne Bewerbung zurück zu ziehen, weil es mir wichtiger war, in den letzten Wochen, Tagen, Monaten oder vielleicht nur Stunden so viel Zeit wie möglich bei meiner Mutter sein zu können. Heute, viele Jahre später, würde ich sagen, ich habe alles richtig gemacht. Ich bin mir und meinen tiefsten inneren Werten treu geblieben, obwohl ich auf diese eine Ausschreibung zum damaligen Zeitpunkt schon über zehn Jahre gewartet habe. Ich habe eine Chance oder Möglichkeit bewusst vorbeiziehen lassen.

Natürlich lassen sich Veränderungs- und Durchhaltestress nicht komplett voneinander trennen. Belastende Lebensphasen führen immer auch zu Veränderungen und Veränderungen haben in bestimmten Momenten auch immer mal wieder etwas mit Durchhalten zu tun (auch ich halte momentan hier und da einfach mal durch). Aber es macht trotzdem Sinn, diese Situationen voneinander zu unterscheiden, da sie grundlegend andere Anforderungen an uns stellen.

Und wie stresse ich mich jetzt richtig?

Frage eins hätten wir hiermit geklärt. Und nun? Wie gehe ich mit Stress um, damit er nicht doch ungesund wird, egal ab ich mich im Veränderungsprozess befinde, oder einfach durchhalten möchte? Das Wichtigste ist, dass Stress nicht zum Dauerbrenner wird und wir uns immer wieder bewusste Momente der Entspannung schaffen. Um diese Momente nutzen zu können, müssen wir dafür sorgen, dass dieser Hormoncocktail, den wir als Stress empfinden auch immer wieder, wie von der Evolution vorgesehen, abgebaut wird. Dafür gibt es tatsächlich erstmal nur eine Möglichkeit: Bewegung! Denn die Evolution hat den Stress eingeführt, damit wir in bedrohlichen Situationen entweder schneller laufen, oder fester zuschlagen können. Dabei bauen sich die aufgebauten Stresshormone ab und der Mensch entspannt sich danach wieder. Dieser Stressmechanismus hat sich leider noch nicht an unser modernes Leben angepasst. Die bedrohlichen Situationen in unserer komplexen Welt sind eben nicht mehr der Säbelzahntiger der uns fressen will, oder die Jungs und Mädels vom feindlichen Stamm, die uns unsere Lebensgrundlage streitig machen wollen. Heutzutage sind die Bedrohungen, auf die unser Körper mit Stresshormonen reagiert, der Chef oder der Kollege, die einem das Leben schwer machen, Veränderungen weil sie uns ja gefühlt erstmal die alte, bekannte, sichere Lebensgrundlage wegzunehmen drohen, das Gefühl tausend Dinge gleichzeitig erledigen zu müssen, um irgendwelchen Ansprüchen gerecht zu werden, Existenzängste, Sorgen und Ängste um die, die uns am Liebsten sind, Überforderung durch unsere komplexe Welt im Allgemeinen, das Gefühl mithalten zu müssen und so weiter und so fort. Unser ganz normales Leben liefert unserem Körper unendlich viele Gründe, Stresshormone zu produzieren. Und unser Lebensstil führt dazu, dass wir unserem Körper häufig die Möglichkeit nehmen, diese Hormone wieder abzubauen. Das führt zu Herz-Kreislauferkrankungen, weil Stresshormone das Herz permanent antreiben, zu Erkrankungen des Magen-Darmtraktes, weil Stresshormone die Verdauung unterdrücken, wir aber trotzdem essen und dies unseren Körper überfordert und Stress führt zu Schlaflosigkeit, weil Stresshormone Schlafhormone fressen. Und Schlaflosigkeit führt zu Stress, führt zu… Also, bewegt euch, seid achtsam und nehmt euch bewusst Pausen zur Entspannung. -Und nicht um eben noch mal schnell einkaufen zu gehen. Und macht euch Gedanken darüber, was ihr wann esst. Alles kein Hexenwerk. Wichtig ist der regelmäßige Ausstieg aus dem Hamsterrad.

Und dann bin ich ins Hamsterrad gesprungen und habe Vollgas gegeben

Das führt uns wieder zu meiner letzten Woche. Ich bin nämlich ausgesprochen gut darin, kluge Reden zu schwingen. Ich wünschte, ich würde das alles auch etwas konsequenter umsetzen. Die ersten drei Tage habe ich alles falsch gemacht: ich bin nur gerannt, habe mich überrennen lassen, habe von morgens bis abends ohne Pause am PC gesessen, weil ich ja endlich (also nach einer Woche) Leistung bringen möchte, ich habe mir keine Zeit genommen, habe mich höchstens zwischen Schreibtisch, Küche und Toilette hin und her bewegt und mich dann gewundert, dass ich nicht gut schlafe. Am Mittwoch ist dann folgendes passiert: ich wurde sauer und frustig und habe das auch nicht mehr verstecken können. Es ist einfach so aus mir herausgeplatzt. Auf diese Situationen, in denen ich ungewöhnlich impulsiv unterwegs bin, bin ich nicht besonders stolz. Aber sie sind ein Teil von mir und am Ende sind sie doch auch immer eine Art Hilferuf meines Gehirns, das mir auf diese Weise sagt, dass es gar nicht mehr aufnahmefähig ist. Wer meinen letzten Blog gelesen hat, erinnert sich vielleicht noch daran, dass der sogenannte Hippocampus dafür verantwortlich ist, frisch Gelerntes vom Kurzzeitspeicher in den Langzeitspeicher zu überspielen. Und vielleicht erinnert ihr euch auch daran, dass der Hippocampus ab einem bestimmten Level an Stresshormonen seine Arbeit verweigert. Ich habe inzwischen für mich eine Exit Strategie entwickelt, die ich nutze, wenn meine Synapsen mal wieder heiß laufen und so bin ich ausgestiegen (also nachdem ich meinem Unmut Luft gemacht habe) und habe mir den Donnerstag schon etwas besser strukturiert. Ich habe Pausen gemacht. Leider war ich noch nicht so konsequent, auch meine vielen Kommunikationskanäle auf Pause zu stellen, weshalb ich bei der Pause gestört wurde. Das habe ich am Freitag besser gemacht. Dabei habe ich sogar die Möglichkeit einer Rücksprache mit einer Kollegin sausen lassen. Das war schade. Mir hat die Pause (in der ich Yoga gemacht habe - Bewegung eben!), aber sehr gutgetan. Außerdem habe ich meine Nahrungsaufnahme besser geplant. Es gab in Folge weniger Zucker und Kekse (was auch in Hinblick auf die drohende Bikinisaison sinnvoll war!), dafür gab es mehr Flüssigkeit. Beides hat gut getan. Ich habe auch insgesamt kürzer und trotzdem lang genug gearbeitet. Und ich habe deutlich mehr aufgenommen und verstanden! Am Freitagabend war ich trotzdem fix und fertig, der Tag war stressig und abends war außer Couch nichts mehr los mit mir. Aber im Gegensatz zu den Tagen zuvor war ich happy und zufrieden mit mir und dem was ich gelernt habe. Ich war zufrieden und ruhig und ich habe total gut geschlafen. Was habe ich daraus gelernt? Erstens, dass das, was ich seit Jahren in meinen Stressmanagement-Workshops erzähle, stimmt, alles davon! Und zweitens, dass unser größter Feind nie von außen kommt, auch wenn wir natürlich gerne propagieren, dass selbstverständlich immer der andere Schuld ist. Am Ende sind wir es aber, die die Verantwortung für unser Leben und unser Stresslevel tragen.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen entspannten Sonntag und eine erfolgreiche Woche, mit ausreichend viel Stress, um eine richtig coole High Performance hinzuhauen und ausreichend viel Entspannung um diese High Performance auch genießen zu können!

Eure Constance

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Und manchmal will man einfach nur laut schreien…

Wenn der Stress überhand nimmt

Brauchen Investmentbanker eine Super-Nanny? Und war das ein Jahr zum vergessen, oder doch zum bewahren? Fragen zum Jahreswechsel...

Happy New Year

Ich hoffe, ihr seid gut ins neue Jahr gekommen. Wahrscheinlich war es bei euch auch etwas ruhiger als in den vergangenen Jahren. Ein Teil von mir fand das wirklich blöd, ein anderer Teil fragt sich noch immer, warum ich jahrelang um diese eine Nacht so einen Aufwand betrieben habe. Geht offensichtlich auch ohne, oder? Auf diese Frage werde ich sicher später nochmal zu sprechen kommen. Denn nachdem wir alle inzwischen mehr oder weniger feierlich die Tür zum neuen Jahr geöffnet haben und jetzt mehr oder weniger positiv in die Zukunft schauen, möchte ich zunächst noch einmal ganz vorsichtig zurückschauen.

Und Hauptsache die Börse hat Grund zum feiern

Ich bin gespannt wie die Geschichtsschreibung dieses 2020 eines Tages bewerten wird. Ich bin mir jetzt schon sicher, dass es hervorstehen wird. Ich bin mir auch recht sicher, dass dieses Jahr eines der global gesehen schwierigsten der Nachkriegsgeschichte gewesen sein wird (also nur falls 2021 nicht noch katastrophaler wird!). Was uns weltweit geeint hat, waren exakt die gleichen Sorgen um unsere Gesundheit, die Gesundheit unserer Liebsten und um unsere jeweiligen Gesundheitssysteme. Wir alle waren wahrscheinlich etwas einsamer und haben unterschiedlich stark unter der Isolation, bedingt durch die Lockdowns, gelitten. Hinzu kamen die in diesem Jahr sehr greifbar gewordenen wirtschaftlichen Ängste. Ich habe an mir selbst zum einen meine ganz individuellen wirtschaftlichen Sorgen beobachtet. Zusätzlich dazu habe ich mich immer wieder dabei ertappt, mich zu fragen, wie es um die wirtschaftliche Gesamtsituation bestellt ist. Ganze Wirtschaftszweige wurden lahmgelegt, überall Umsatzeinbrüche, kein Toilettenpapier mehr, Mehl und Nudeln werden ebenfalls knapp und dann auch noch Kurzarbeit und Konjunkturpakete, dass es kracht und raucht! Jahrelang wurde von der absolut existenziellen Notwendigkeit der schwarzen Null gesprochen und plötzlich druckt der Staat das Geld als würde es kein Morgen mehr geben. Glaubt mir, ich habe mir mehr als einmal Gedanken darüber gemacht, was denn wäre, wenn das System einfach kollabieren würde… Und dann kam der 28. Dezember und ich habe die Welt nicht mehr verstanden. Denn was macht die Börse in Anbetracht all dieser kleinen und großen Katastrophen? -Ganz klar: unser DAX klettert auf ein absolutes Allzeithoch. Macht ja auch Sinn! WTF? Ich als volkswirtschaftlicher Laie verstehe ehrlich gesagt die Welt nicht mehr! Schon Anfang April habe ich mich an dieser Stelle gefragt, wann der DAX denn endlich oben angekommen sei und was dann sein würde (hier der Link zum Blog). Die Fragezeichen in meinem Kopf wurden seitdem nur noch größer. So viele Menschen um mich herum versuchen zwar vorsichtig optimistisch zu sein, sind jedoch vor allem voller individueller Sorgen und Ängste und gleichzeitig feiern die Börsianer und Investmentbanker die Party des Jahrtausends! -Vielleicht auch ein bisschen, weil sie sich freuen, endlich mal nicht schuld an einer Wirtschaftskrise zu sein… Ich bin sicher kein verträumter Sozialromantiker, allerdings bin ich an dieser Stelle raus und will auch keine komischen Erklärungsversuche mehr lesen. Antoine de Saint-Exupéry hat es ganz gut auf den Punkt gebracht:

Eine auf dem Profit beruhende Industrie ist bestrebt, Menschen für den Kaugummi und nicht Kaugummi für den Menschen zu produzieren.
— Antoine de Saint-Exupéry

Was wirklich wichtig ist

Genau deshalb sollte Silvester keine Nacht wie jede andere sein. Wir brauchen diese besonderen Momente, in denen wir innehalten und uns bewusst fragen, wo wir herkommen, wo wir hinmöchten und wie wir uns fortbewegen. Es sollte nicht darum gehen, immer mehr Menschen zum Kaugummikonsum zu bewegen, sondern vielmehr darum, sich zu fragen, wie ein Kaugummi für die Menschen am besten sein kann. Oder anders gesagt, wir sollten langsam aber sicher an den Punkt kommen, den Menschen und nicht irgendwelche abstrakten Zahlen oder Indizes in das Zentrum unseres Denkens und Handelns stellen. Das bringt mich schließlich dahin, warum ich persönlich dieses katastrophale Jahr 2020 gesellschaftlich betrachtet nicht ganz verloren geben würde. Nachdem mein persönlicher Ärger über diesen Börsen-Wahnsinn verraucht war, habe ich den wertfreien Blick zurück auf dieses Jahr gewagt und festgestellt, dass sich gesellschaftlich betrachtet doch einiges getan hat. Corona scheint wie eine Art Katalysator für gesellschaftliche Entwicklungen hin zu mehr Nachhaltigkeit und Achtsamkeit gewesen zu sein, waren doch viele in der Position, sich fragen zu müssen, was wirklich zählt, was das Leben lebenswert und gut macht. Diese Gedanken spiegeln sich auch im veränderten Konsumverhalten der Deutschen wieder. Der Zukunftsforscher Harry Glatterer beschreibt, dass drei Faktoren unser Konsumverhalten bestimmen:

  1. Unsere Werte

  2. Unsere Bedürfnisse, bzw. das von dem wir glauben, dass es uns glücklich macht

  3. Technologische Veränderungen, die unsere Art zu konsumieren, beeinflussen

Unser auf diesen Faktoren basierendes Konsumverhalten hat sich laut Glatterer zwar nicht substanziell verändert, allerdings hat die Pandemie dazu beigetragen, dass sich bestimmte, bereits in den vergangenen Jahren wahrgenommene Konsumtrends verstärkt haben. Hierbei stechen laut Glatterer vier Trends besonders hervor:

  1. Hygge - also ein möglichst gemütliches, kuscheliges Zuhause! Ich denke es ist selbsterklärend, warum unser Zuhause im vergangenen Jahr eine so große Rolle gespielt hat. Allerdings ist dieser Trend nichts Neues. Bereits zu Beginn der Nullerjahre schwappte dieser Gemütlichkeits-Trend aus den USA zu uns rüber, damals noch unter dem Schlagwort Cocooning, das später durch das Dänische Wort für Gemütlichkeitskultur abgelöst wurde. Laut Dirk Hohnsträter, Konsumkulturforscher der Uni Hildesheim, geht es hierbei vor allem um individuelle Stressregulierung in einer immer komplexer werdenden Welt. Man macht es sich schön, backt Brot, kocht, strickt und so weiter. Alles das gibt einem das Gefühl der Selbstwirksamkeit, der Fähigkeit, Dinge direkt beeinflussen zu können. In einer Pandemie, in der man besonders zu Anfang unglaublich hilflos und machtlos war, sind Entspannung und Selbstwirksamkeit natürlich essentiell.

  2. Online-Boom - weil digital einfach besser ist?! Auch das ist selbsterklärend und der Trend in Richtung Amazon und Co. ist nichts neues. Der Nachteil hierbei ist die Gefahr eines um sich greifenden Ladensterbens, das laut Kölner Institut für Handelsforschung durch die Pandemie stark beschleunigt wird. Allerdings ist durch die Zeit des Lockdowns und des Social Distancings auch das Bedürfnis gewachsen, wieder direkt mit anderen Menschen in den Austausch zu gehen. Hierin liegt laut Konsumkulturforscher Hohnsträter auch eine Chance: die Läden der Zukunft werden vor allem Treffpunkte sein, die Kunden mit Workshops, Unterhaltung und kleinen Cafés anziehen. Denn Menschen treffen, das wünschen wir uns doch inzwischen alle! Mein Gott, gibt es überhaupt etwas schöneres?!

  3. Gesundheit - weil die Gesundheit eben doch unser wertvollstes Gut ist! Klar, wenn das Virus tobt, können uns auch die tollsten Börsenkurse nicht gesund machen. Der Trend hin zu einer Gesund-und-fit-Kultur wurde in diesem Jahr extrem beschleunigt. Fahrräder verkauften sich wie geschnitten Brot, ebenso wie Heimtrainer, Sportbekleidung und so weiter und so fort. Und auch im Punkto Ernährung hat sich einiges getan im letzten Jahr: ein Viertel aller Deutschen hat laut eigenen Angaben versucht, sein Immunsystem mit Hilfe von Nahrungsergänzungsmitteln und Vitaminkapseln zu stärken. Ein Fünftel hat in diesem Jahr merklich mehr Obst und Gemüse gekauft, schreibt der Spiegel.

  4. Nachhaltigkeit - denn wir haben nur diese eine Erde! Wie und warum genau dieses Virus seinerzeit in Wuhan auf den Menschen übergegangen ist, vermag ich nicht zu erklären. Wenn man sich jedoch vor Augen hält, dass viele Forscher nicht sonderlich überrascht waren und nicht müde werden, zu erklären, dass noch viele sogenannte Zoonosen darauf warten, eine nächste und nächste und nächste Pandemie loszutreten, dann frage ich mich, wie sehr wir der Natur auf die Pelle rücken dürfen, ohne uns selbst dabei zu zerstören. Wieviel Raubbau an der Natur ist ok, um den Konsum immer weiter zu treiben? In Deutschland scheinen sich viele Menschen solche oder ähnliche Gedanken gemacht zu haben. Naturkostläden hatten im ersten Lockdown einen Zuwachs von bis zu 60 Prozent. Hofläden haben einen nie dagewesenen Boom erfahren. Laut einer repräsentativen Umfrage der Uni Gießen gaben 44 Prozent der Befragten an, beim Einkauf verstärkt auf Nachhaltigkeit und Bio zu achten, 52 Prozent kauften mehr regionale Produkte. Laut GfK-Umfrage ist der Anteil derer, denen soziale Verantwortung auch beim Einkauf wichtig ist, im vergangenen Jahr von 28 Prozent auf 34 Prozent gestiegen. Ich glaube, diese Pandemie hat uns alle ganz schön durchgeschüttelt. Zukunftsforscher Glatterer erklärt den Trend hin zu mehr Nachhaltigkeit auch damit, dass Nachhaltigkeit in einer extrem instabilen Situation eine Stütze darstellt und eine Perspektive bietet.

Tja, als wir noch Kinder waren, hat die Super-Nanny uns auf die stille Treppe geschickt, um unser Handeln zu hinterfragen und zu überlegen, ob anders nicht besser und zielführender sein könnte. Im letzten Jahr hat uns Corona eben Hausarrest erteilt um zu überlegen, wo die Reise hingehen soll. Und ganz ehrlich, wenn aus diesem Hausarrest hängenbleibt, dass wir uns unserer Selbstwirksamkeit bewusst bleiben, technologische Entwicklungen nutzen, ohne dabei den Kontakt zu den Menschen zu verlieren, verstehen, dass unsere Gesundheit unser höchstes Gut ist, dicht gefolgt von unserem Zuhause, unserer Mutter Erde, dann war dieses sehr stille Jahr 2020 doch nicht nur für die Füße. Oder wie seht ihr das? Gut, und für die Investmentbanker müsste man eben doch mal die Super-Nanny reaktivieren…

Und jetzt wird nach vorne geschaut

Damit finde ich, reicht es aber auch mit dem Zurückschauen! Ab morgen geht der Blick stringent nach vorne, optimistisch, positiv und mit meiner individuellen Lesson Learned aus 2020 im Herzen. Wenn es irgendwann mal wieder so weit ist, dass alle nur noch den Zahlen und dem Konsum hinterherjagen, werde ich mich versuchen, daran zu erinnern, was wirklich wichtig ist, um glücklich zu sein.

Bis dahin wird wohl noch einige Zeit in relativer Einsamkeit vergehen. Ich bin sehr gespannt, wie mein rein virtuelles Onboarding im neuen Job und im neuen Leben ablaufen wird. Ich werde sicher berichten. Aber wisst ihr, worauf ich noch viel, viel gespannter bin? -Darauf, wie es sich anfühlen wird, nach Corona die erste große Party zu feiern, mit viel Nähe, ohne Masken, mit Umarmungen zusammen die Nacht durchtanzen. Alles das habe ich früher glaube ich gar nicht wirklich zu schätzen gewusst, weil es das Normalste der Welt für mich war. Aber wenn es das nächste Mal so weit sein wird, bin ich mir sicher, dass ich vor Glück und Freude total überschnappen werde. Die wirklich großen Dinge sind häufig eben die kleinen!

Ich wünsche euch einen guten Start in ein gutes Jahr!

Eure Constance

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Kurzer Blick zurück und dann forsch voraus

Die Tür ins neue Jahr ist aufgetreten

Wir rennen und rennen und das Glück rennt hinterher

Die Suche nach dem Glück

Vierter Advent! Weihnachten steht vor der Tür und ein Jahresrückblick jagt den nächsten. Auch ich habe mein ganz eigenes Jahr Revue passieren lassen. Die Bilanz war desaströs! Objektiv betrachtet hätte ich von schweren Depressionen geplagt die meiste Zeit in der hintersten Ecke meines Zuhauses sitzen müssen. 2020 war nicht nett und hat sehr viele gute Gründe zum Unglücklich-Sein geliefert. Komischerweise war ich aber gar nicht unglücklich. Insgesamt würde ich sogar sagen, es war für mich trotz aller Sorgen und Ängste und dem Gefühl zu wenig zu tanzen und zu viel allein zu sein ein glückliches Jahr! Verrückt, oder? Grund genug für mich, um mir einmal ausführlich Gedanken darüber zu machen, was Glück denn überhaupt ist und wo es herkommt. Meine kleine Abhandlung zum Glück möchte ich gerne mit einem Zitat aus Bertolt Brechts Dreigroschenoper einleiten:

Ja renn nur nach dem Glück
Doch renne nicht zu sehr
Denn alle rennen nach dem Glück
Und das Glück rennt hinterher
— B. Brecht

Das wirklich spannende am Glück ist, dass es so viele Ideen davon gibt, was Glück sein könnte, wie es Menschen auf der Welt gibt.

Aristoteles schrieb, dass Glück Selbstgenügsamkeit sei. Für Pessimisten ist Glück die Abwesenheit von Leiden. Hedonisten würden sagen, dass Glück Konsum sei (Schuhe kaufen macht definitiv glücklich!). Albert Schweitzer war der Meinung, Glück sei eine gute Gesundheit und ein schlechtes Gedächtnis. Für Harald Juhnke war Glück leicht einen sitzen und keine weiteren Termine zu haben. Für den Neurobiologen ist Glück ein biochemischer Vorgang, der am einfachsten durch die Einnahme von Drogen hervorzurufen sei (Glühwein tut es dieser Tage vielleicht auch!). Es gibt Länder, die angeblich besonders glücklich oder besonders unglücklich sind. Es gibt Lebensphasen, in denen der Mensch glücklicher ist, als in andern. Am unglücklichsten sind wir wohl zwischen 35 und 54, sagt die Neurowissenschaftlerin Tali Sharot. Es gibt die Idee, dass Geld glücklich mache. Hierzu sagt der Nobelpreisträger Daniel Kahnemann, dass dafür 65.000 Euro Jahresgehalt ausreichend seien, die Soziologin Hilke Brockmann hingegen sagt, das hänge davon ab, wieviel die Menschen um uns herum so hätten. Ungleichheit mache unglücklich. Das ist laut Brockmann übrigens der Hauptgrund dafür, warum die skandinavischen Länder beim Glücksindex stets ganz weit vorne landen: geringe soziale Unterschiede! Was definitiv unglücklich macht, sind Hunger, Krieg, Korruption. Am Ende der aktuellen Glücksliste befinden sich der Südsudan, Syrien und der Jemen.

Wir brauchen Fakten!

Fakt ist, die Suche nach dem Glück scheint so alt wie die Menschheit. Allerdings gilt es hierbei zu beachten, dass die Suche nach dem Glück ausgesprochen unglücklich machen kann. Forscher der University of Reading haben anhand einer Studie belegt, dass die Menschen, die sich besonders darum bemühen, glücklich zu sein, am häufigsten am Glück scheitern und ein erhöhtes Risiko haben, an Depressionen zu erkranken.

Dieser Cocktail aus körpereigenen Opiaten, wie zum Beispiel Endorphin, welches unser Hirn ausschüttet, wenn es feststellt, dass sein Mensch gerade glücklich ist, hat offensichtlich verdammtes Suchtpotenzial. -Biochemie eben.

Als ich mich also auf die Suche nach dem machte, was mich auch in diesem, für mich eher einsamen, Jahr glücklich gemacht hat, tauchte eine These immer wieder auf: Glück ist immer auch eine Entscheidung! Aber ist das wirklich so?

Während meiner Recherchen bin ich zunächst auf die Aussage gestoßen, dass unser Gehirn gar nicht dafür gemacht ist, permanent glücklich zu sein. In den Fünfzigerjahren gab es hierzu eine Studie des Psychologen James Olds, der das Belohnungszentrum von Ratten mit Strom stimulierte, wann immer diese einen bestimmten Hebel drückten. Die Ratten drückten diesen Hebel bis zur Erschöpfung. Sie vergaßen sogar zu essen. Dieses unendliche Glücksgefühl hat sie fast umgebracht. Wer von euch hatte auch schon einmal Phasen, in denen er permanent und fast blind für potenzielle Gefahren auf der Suche nach dem nächsten Kick war? -Biochemie eben.

Der verrückte Professor und das Glück

Wenn Wissenschaftler sich mit Glück beschäftigen, gehen sie häufig von zwei unterschiedlichen Arten von Glück aus:

  1. Das Glück als Hochgefühl, dieser Kick, dem sich die Ratten in Olds’ Versuch hemmungslos hingegeben haben, weil dieses Hochgefühl ein flüchtiger Zustand ist, der schnell vorbeigeht und einen mit Hunger auf mehr zurücklässt.

  2. Das Glück als Zustand der Zufriedenheit, den wir allgemein in unserem Leben spüren. Im Gegensatz zur ersten Erscheinungsform von Glück, ist diese Form von Glück deutlich nachhaltiger.

Vom Glück und der Zufriedenheit

Für den Neurobiologen Gerhard Roth ist diese zweite Glücksform so etwas wie ein Ausgangslevel, von dem aus wir das Hochgefühl des Glücks erleben. Dieses Ausgangslevel ist bei uns Menschen auf unterschiedlichen Niveaus angesiedelt. In Zwillingsstudien wurde festgestellt, dass dieses Ausgangslevel, diese allgemeine Lebenszufriedenheit, in Teilen sogar genetisch bedingt ist. Der Rest hängt zum einen von Umweltfaktoren und Sozialisation ab, aber auch davon, wie wir mit Chancen und Möglichkeiten umgehen. Das heißt, ein Teil dieser Lebenszufriedenheit liegt in unserer eigenen Hand.

Laut Roth halten diese berauschenden Glücksmomente, die Glück Nummer eins Hervorruft, bei Menschen mit einem hohen Level an Lebenszufriedenheit (also Glück Nummer zwei) deutlich länger an.

Das ist spannend! Ich sollte also nicht in erster Linie nach dem Glück suchen, sondern lieber erstmal nach Zufriedenheit, denn je zufriedener ich bin, desto berauschender fühlen sich auch schon winzig kleine Glücksmomente an.

Insgesamt stellte sich Gerhard Roth tatsächlich als dankbare Quelle für meine Glückssuche heraus, habe ich bei ihm doch nicht nur Erklärungen dafür gefunden, was Glück ist, sondern auch durch was es hervorgerufen wird. Hierbei unterscheidet er zwischen drei unterschiedlich gelagerten Quellen für Glück:

  1. Als erste Quelle für Glück nennt Roth die materielle Belohnung (wie zum Beispiel eine Gehaltserhöhung oder eine Bonuszahlung). Hierbei wird im Gehirn eine Region stimuliert, die sich Nucleus Accumbens nenne. Diese Region ist ein kleiner Nimmersatt, der recht schnell auf einen Stimulus anspringt, genauso schnell aber wieder abflacht und dadurch ein ausgesprochen vergängliches Glücksgefühl verursacht, das postwendend nach mehr verlangt und dauerhaft nur schwer zu stillen ist. Liebe Chefs, Gehaltserhöhungen oder Boni sind toll, wenn ihr der Meinung seid, dass der Mitarbeiter sich das durch seine Leistung verdient hat. Zur nachhaltigen Motivation ist beides aber total ungeeignet! -Biochemie eben!

  2. Quelle Nummer zwei ist in Roths System die soziale Belohnung. -Also Anerkennung, Lob oder auch das gefährliche Gefühl von Macht. Hierbei werden Hirnareale stimuliert, die auf einer bewussteren Ebene angesiedelt und deshalb auch etwas nachhaltiger sind. Doch auch diese Glücksquellen sorgen nicht für dauerhaftes Glück und müssen deshalb immer weiter gefüttert werden. Bei Lob, Respekt und Anerkennung sehe ich das erst einmal unkritisch. Wird der Machthunger jedoch zum Selbstläufer, kann es unschön enden und vor allem die Mitmenschen unglücklich machen.

  3. Roths dritte Quelle ist die einzige aller Glücksquellen, die nicht stetig durch ansteigende Dosen an Belohnungen stimuliert werden muss. Roth spricht hier vom sogenannten intrinsischen Glück, das sich direkt mit der eigenen Lebenszufriedenheit verbindet und somit deutlich länger in unserem Leben zu Gast bleibt, als all die anderen Glücksformen. Dieses intrinsische Glück hat seinen Ursprung in der Erfahrung, Freude und Sinnhaftigkeit bei dem zu empfinden, das man tut. Hierbei kann es sich um die Familie oder Hobbies, aber auch um die Arbeit handeln. Wirklich glücklich sind eben am Ende die, die nicht das Gefühl haben, ihre kurze Zeit auf Erden sinnlos zu verstolpern!

Vom Glück und der Entschleunigung

Was ich jetzt aus diesen Infos für mich mitnehme? Sehr gute Frage. Manchmal fange ich einfach an zu tippen und weiß nicht, wo die Buchstabensuppe mich hintragen wird! Was nehmt ihr denn mit? Habt ihr mal darüber nachgedacht, was eurem Leben Sinn gibt, euch Freude macht? Sich diese Frage zu stellen und sie auch mutig zu beantworten, bringt uns dem Glück viel näher als Brechts Rennerei, stetig getrieben von einer Gesellschaft, deren Kardinalsfehler es ist, Erfolg mit Glück gleichzusetzen.

Warum ich dieses Jahr glücklich war? Weil Corona mich dazu verdammt hat, aus der Rennerei auszusteigen um die Zeit zu nutzen, meinen inneren Kompass neu zu finden. Es war der Luxus, mir die Frage stellen zu dürfen, was mein intrinsisches Glück ausmacht, in welche Richtung mich mein innerer Kompass führen möchte, damit ich meine Zeit auf Erden eben nicht verstolpere. Wer mich kennt, weiß, dass ich gerne arbeite, dass meine Arbeit ein für mich essentieller Teil meines Lebens ist. Mir ist dieses Jahr tatsächlich bewusst geworden, dass ich noch mindestens 24 Jahre arbeiten werde. Ich kam nicht umhin, mich fragen zu müssen, wie diese Jahre aussehen sollten, um auch weiterhin glücklich zu sein. Mir wurde klar, dass ich eine Perspektive brauche, um mich weiterentwickeln zu können und ich musste mir eingestehen, dass ich diese Perspektive bei meinem so geliebten Arbeitgeber nicht habe. Aristoteles hat neben seiner Idee, dass Glück Selbstgenügsamkeit sei, auch festgestellt, dass zum Glück immer auch Mut gehört. Das kann ich bestätigen. Weil ich mutig war, konnte ich die Chance, die sich mir im November geboten hat, ergreifen. Im Januar schlage ich ein ganz neues Kapitel in meinem Leben auf, dass mir sicher für einige Jahre die Möglichkeit bietet, zu lernen, zu wachsen und mich weiterzuentwickeln und dabei der von mir so geliebten und als sinnhaft empfundenen Arbeit als Human Factors Trainer oder jetzt eben als Agile Coach nachgehen zu dürfen, ganz nah am Menschen!

Sinnessuche zu Weihnachten

Heute, da ich diese Zeilen niederschreibe, ist Freitag. Am Vormittag habe ich meine Arbeitsmaterialien und Unterlagen, inklusive Dienstausweis, abgegeben. Ein wirklich emotionaler Moment. Besonders emotional wurde es jedoch vor etwa fünf Minuten. Es gibt Geschichten, die nur das Leben schreiben kann und Kreise, die sich stillschweigend schließen. So habe ich gerade die Information bekommen, dass die Kollegin, die vor 21 Jahren meine Grundausbildung geleitet hat, heute verstorben ist. Liebe Astrid, Stewardessen sterben nicht, sie fliegen nur etwas höher… Unsere Zeit auf Erden ist in der Tat kostbar und wir wissen alle nicht, wo unsere Uhr steht. Aber durch Rennen halten wir diese Uhr nicht an und durch Rennen geben wir unserem Leben keinen Sinn. Manchmal ist das Gegenteil der Fall: wir rennen so schnell, dass wir an diesen flüchtigen Glücksmomenten vorbeilaufen, ohne sie wahrzunehmen… Wir rennen und rennen und das Glück rennt hinterher.

Ich wünsche euch allen ein friedliches, gesegnetes Weihnachtsfest mit Glücksmomenten und viel Zufriedenheit. Aber vor allem wünsche ich euch Zeit zum glücklich sein!

Eure Constance

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Glückskinder

DIY lautet die Devise!