Persönlichkeit

Grübeln ist wie schaukeln...

… man ist ganz gut beschäftigt, kommt aber kein Stück weiter

Lass mich raten, du hast reingeklickt, weil du diese Situationen kennst? Du grübelst und grübelst, überdenkst und überdenkst und während du damit beschäftigt bist, eine Situation von links und rechts und oben und unten möglichst genau und umsichtig zu beleuchten, galoppiert das Leben links und rechts und oben und unten an dir vorbei. Wie viele Chancen hast du so schon vertan? Ich so einige! Aber das muss ja nicht so bleiben. Gut, schaukeln macht durchaus Spaß, aber nicht, wenn ich vom Fleck kommen will. Und so ist es eben auch mit dem Grübeln. Dieser Blog soll keinesfalls ein Aufruf dazu sein, zukünftig blindlinks loszustürmen. Aber ich finde der Mensch hat es verdient, bewusst wählen zu können und in Hinblick auf meine ausgesprochen vorsichtige Attitüde, alles erstmal ganz konservativ abzuwägen, ist es mir gar nicht so leichtgefallen, eine vernünftige Alternative zu finden. Inzwischen habe ich eine, die sogar richtig Spaß macht. Und weil ich in der letzten Woche von diesem Spaß sehr viel hatte, dachte ich mir, ich nutze die Gelegenheit, meine Gedanken heute mit dir zu teilen.

Schon wieder dieses Gehirn

Wie kommt man also nun raus aus der Grübel-Falle? Eigentlich ist es gar nicht so schwer. Anstatt sich in endlosen Denkschleifen und was-wäre-wenn-Szenarien zu verlieren, müsste man es eben einfach mal ausprobieren. Entweder es geht gut, oder es geht schief, aber immerhin geht es und tritt nicht auf der Stelle. Genau damit hat der Mensch jedoch ein ganz, ganz großes Problem. Ich habe schon so oft über unser Gehirn erzählt und was bleibt ist die Quintessenz, dass dieses Gehirn nicht mitbekommen hat, dass wir nicht mehr in Höhlen leben, wo es immer nur um Leben oder Tod, fressen oder gefressen werden geht, sondern dass unsere Welt bunter und abstrakter geworden ist. Dummerweise denken und handeln wir noch immer so, als würde es jedes Mal ums nackte Überleben gehen. Dieses Paradigma, das unser Gehirn gerne kompromisslos verinnerlicht, zwingt uns eine Verhaltensweise auf, die uns in unserer modernen Welt tatsächlich selten weiterhilft. Man müsste seinem Gehirn eben beibringen, dass nicht jede Entscheidung, die sich im Nachhinein als falsch herausstellt, auch gleich tödlich sein muss. Was ist so schlimm daran, sich einfach mal auszuprobieren? Ich denke gerade an meinen allerersten Blog (oder wars der zweite?), in dem ich von dieser doofen Steinzeitfrau berichtet habe, der aus Versehen das Mammut ins Feuer gefallen ist. Wahrscheinlich war der Mann stinksauer, weil er dachte, Madame hat das Abendessen versaut. Weil nichts anderes da war, wird eben das gegrillte Mammut trotzdem gegessen und völlig erstaunt stellt der Steinzeitmann fest, dass gegrillt viel besser ist. Es gibt tatsächlich Fehler, die sich im Nachhinein als wahrer Segen herausstellen.

Weil die Welt den Wahnsinn braucht

Vielleicht war es aber auch ganz anders und unsere Steinzeitfrau war einfach etwas verrückter als alle anderen Steinzeitfrauen und dachte sich: “Na ja, wir haben zwar nur dieses eine Stück Mammut und im Kühlschrank ist auch kein Gemüse mehr, aber warum nicht einfach mal etwas Neues ausprobieren. Ich werfe unser letztes Stück Fleisch jetzt einfach mal ins Feuer und schaue was passiert. Entweder es verbrennt und wir haben nichts zu essen, oder es wird vielleicht ganz cool“. Ich höre den Steinzeitmann bis heute schimpfen! Wahrscheinlich hat ihre Mutter sie sehr laut und deutlich gewarnt. Von der Schwiegermutter ganz zu schweigen… Aber unsere mutige und vielleicht auch etwas wahnsinnige Steinzeitfrau zieht es durch! Die Geburtsstunde eines globalen Trends! Und die Moral von der Geschicht’? - In jeder Generation gab es zum Glück den ein oder anderen mutigen Menschen, der nicht gegrübelt und abgewägt, sondern einfach mal etwas ausprobiert hat. Das nennt man dann Weiterentwicklung.

Über Fehler und die Wissenschaft

Übrigens ist genau das die Basis wissenschaftlicher Forschung: die Jungs und Mädels probieren etwas aus und schauen ob es funktioniert, oder eben nicht. Wenn es funktioniert, winkt vielleicht der Nobelpreis und wenn nicht hat man auch etwas gelernt. - Nämlich, dass man dieses Ergebnis ausschließen kann. Die Harvard-Professorin Amy C. Edmondson nennt diese bewussten und analysierten Fehler, aus welchen neues Wissen resultiert, übrigens intelligente Fehler. Sie sind, wie gesagt, die wissenschaftliche Basis für jede Forschung. Auch Amy selbst hat ihre Forschung mit einem dieser intelligenten Fehler begonnen. Wer meinen Artikel von letzter Woche gelesen hat, erinnert sich vielleicht daran, dass sich Amys Einstiegsthese zur Grundlagenforschung für ihre Dissertation nach der ersten Forschungsreihe als komplett falsch und unhaltbar herausstellte. Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, hat sie sich entschieden, zu schauen, was sie aus diesem falschen Ansatz lernen kann. Was herauskam, war die legendäre These, dass High Performance Teams mehr Fehler machen, als normale Teams und schließlich das Thema, das Amy nun schon ihr gesamtes Leben als Wissenschaftlerin begleitet: die Psychological Safety.

Ich weiß, ich bin keine Harvard-Professorin und du wahrscheinlich auch nicht. -Wo um alles in der Welt sind wir falsch abgebogen? Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden! Think big! Und sei mutig. Ich erinnere mich an dieser Stelle an die wirklich wilde Woche im letzten Jahr, in der ich entschieden habe, meinen sicheren, geliebten und bis ins kleinste Detail bekannten Job nach 21 Jahren an den Nagel zu hängen, um Agile Coach in einer agilen Bank mitten in einem riesigen Transformationsprozess zu werden. Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht und habe so viel gegrübelt, dass ich heute wirklich froh bin, diese Möglichkeit vor lauter Grübelei nicht vertan zu haben. Mit meinem ängstlichen Gehirn habe ich den Deal gemacht, ihm zu versprechen, dass ein neuer Job keine Lebensgefahr darstellt und dass wir ja, falls es doch doof ist, auch etwas anderes machen können. Mit viel Geduld habe ich mein Gehirn überredet, mit mir gemeinsam das Abenteuer “Weiterentwicklung” anzugehen. Und ja, es ist anstrengend und aufregend und manchmal verunsichert uns diese ganze Bankenwelt schon ganz schön, aber es macht Spaß und wird schon gut gehen! Und wenn nicht, suchen wir uns etwas anderes, also mein Gehirn und ich.

Grübeln und die VUCA-Welt

Da sind wir also angekommen, mein Gehirn und meine Wenigkeit, mitten in einem agilen Unternehmen, dass sich mit Hilfe dieser Agilität in einem sehr dynamischen und komplexen Marktumfeld beweist. Warum ist Agilität oder ein agiles Mindset hier hilfreich? Ganz einfach: Während klassisch aufgestellte Konkurrenten noch grübeln, hat das agile Unternehmen den Deal schon in trockene Tücher gebracht, das neue Produkt am Markt etabliert und den Kunden überzeugt! Warum agile Unternehmen schneller sind? Weil sie ihre Mitarbeiter dazu bringen, Dinge auszuprobieren, anstatt sie zu zerdenken. Weil sie bereit sind, aus Fehlern zu lernen und zwar schnell! Und weil sie ihre Mitarbeiter dazu ermuntern, auch mal verrückt zu sein, etwas Verrücktes zu erfinden, dass es so noch nicht gab. Und wenn es nicht funktioniert, wird sich einmal geschüttelt und weiter geht’s! -So zumindest das Ideal. Natürlich ist das ein Prozess und wer jahrelang Teil einer Grübel-Kultur war, tut sich anfangs sicher schwer damit, einfach mal zu machen. Unterstütz werden Menschen in agilen Organisationen deshalb durch eine unglaubliche Menge an agilen Methoden, die wie zum Beispiel den Kata-Sessions, die Struktur und somit Sicherheit geben, wenn man etwas Neues ausprobiert. Im Scrum wie im Kanban trifft man sich täglich um den Status Quo zu überprüfen, nur für den Fall, dass man droht vom richtigen Weg abzukommen, und in regelmäßigen Retrospektiven hat man die Möglichkeit aus Fehlern zu lernen, um es das nächste Mal doch besser zu machen. Im Design Thinking werden Menschen dazu ermutigt, total verrückt über den Tellerrand hinauszuschauen, kreativ und grenzenlos zu sein. Und damit man bei all diesem Wahnsinn den Fokus nicht verliert, gibt es das System der Objectives and Key Results. Und natürlich gibt es noch so viel mehr, kein Anspruch auf Vollständigkeit!

Mich macht das glücklich

Wie es sich anfühlt, Dinge ausprobieren zu dürfen, natürlich nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne diesen Zwang, dass direkt alles perfekt funktionieren muss, habe ich in der letzten Woche einmal mehr selbst gespürt. Es beflügelt mich total und macht mich noch viel kreativer, weil ich angstfreier agieren kann. Mein Gehirn hat begriffen, dass es nicht um Leben und Tod geht und ist deshalb einfach viel leistungsfähiger und mutiger. Für mich macht es einen großen Unterschied, nicht als externer Berater ein Produkt an den Mann oder die Frau bringen zu müssen, sondern als interner Coach zum Beispiel mein Herzensprojekt “Feedback-Kultur und Psychological Safety” mindestens ein Jahr lang gestalten und begleiten zu dürfen und dabei sogar die Möglichkeit zu haben, mal etwas auszuprobieren. Denn vielleicht wird dieses “etwas” am Ende zu etwas ganz Großem und ich hatte bislang einfach noch nicht die Möglichkeit oder den Rahmen, es einfach mal zu testen. Und wenn es floppt, dann kann ich es wenigstens loslassen und mich mit anderen Ansätzen beschäftigen. So funktioniert Agilität. Denn wenn nur ein Prozent dieser mutigen und verrückten Mitarbeiter etwas Großes entdecken, während sie sich ausprobieren, dann ist es genau das, was dafür sorgt, dass agile Organisationen am Ende die Nase vorne haben. Denn das sind die Innovationen, die es in klassischen Strukturen nie geben wird.

Aber auch außerhalb der Organisationsstrukturen, in denen wir alle mehr oder weniger gefangen sind, weil wir ja alle unser Geld verdienen müssen, ist es total sinnvoll, hier und da mal von der Schaukel zu springen und vorwärts zu gehen. Auch im privaten Kontext macht das glücklich. Dieser Blog ist hierfür ein gutes Beispiel. Wie lange habe ich davon geträumt, zu schreiben. Eigentlich soll es ein Buch werden. Leider hat der Verleger noch nicht angeklopft! Also dachte ich mir, ich fange mal mit einem Blog an… Über ein Jahr habe ich vor mich hin gegrübelt, wie das funktioniert, also rein technisch, was ich überhaupt schreiben soll, ob es überhaupt jemand lesen würde und so weiter und so fort. Vor einem Jahr bin ich einfach von der Schaukel gesprungen, habe losgelegt und geschaut, was passiert. Ich finde, meine Blogs werden Schritt für Schritt besser, meine sehr laienhaften Marketingstrategien auch und die Leserzahlen steigen zwar langsam, aber stetig. Läuft also! Deshalb werde ich jetzt auch ein weiteres Herzensprojekt angehen, das am Ende richtig fett sein wird, also so richtig, richtig fett! - Wenn es denn was wird. Nur wenn ich darüber immer nur nachdenke, werde ich es nie herausfinden. Deshalb lege ich jetzt los, einen kleinen Schritt nach dem anderen. Und falls ich scheitere, ja mein Gott, was ist denn dann? Dann bleibt alles so wie es jetzt ist und das ist doch auch nicht so schlecht.

Sei mutig und spring hier und da mal ab von deiner schönen Schaukel! Fühlt sich gut an! Macht sogar Spaß!

Deine Constance

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Grübeln ist wie schaukeln…

Man ist ganz gut beschäftigt, kommt aber kein Stück weiter

Aller Anfang ist schwer? - Wirklich schwer ist es, rechtzeitig aufzuhören!

Onboarding die Sechste

Meine Reise in die Welt von Finance und IT geht weiter und weiter und ja, aller Anfang ist schwer, definitiv! Aber wisst ihr was ich letzte Woche beobachtet habe? Neben dem Fakt, dass (Neu-) Anfänge immer schwer sind, habe ich festgestellt, dass es gefühlt noch viel schwerer ist, mit Altbekannten aufzuhören, den Absprungs zu finden und das Alte loszulassen. Das habe ich in der letzten Woche nicht nur an mir selbst beobachtet, sondern auch an meinen Kollegen, den neuen wie den alten, im Freundeskreis, den Nachrichten, einfach überall. Offensichtlich klammert sich der Mensch recht gerne an Altbekanntem fest. Der Spatz in der Hand ist natürlich besser als die Taube auf dem Dach und was man hat, hat man eben! Derartige Sprüche sind so alt wie die Menschheit und das damit zusammenhängende Verhalten ebenso.

Ihr kennt sicher Goethes Faust. Mein absolutes Lieblingsdrama. Ein unfassbares Meisterwerk, dass den Menschen so vortrefflich beschreibt und einige Zitate daraus sind für die Ewigkeit. Ihr kennt das mit den zwei Seelen, die ach! in meiner Brust wohnen. Wir alle wissen, dass die eine sich von der anderen trennen will. “Die eine hält in derber Liebeslust sich an die Welt mit klammernden Organen; Die andre hebt gewaltsam sich von Dust zu den Gefilden hoher Ahnen.” So weit so gut! Wirklich spannend (und weitaus weniger bekannt) ist wie es jetzt weitergeht:

O gibt es Geister in der Luft, die zwischen Erd und Himmel herrschend weben, so steiget nieder aus dem goldnen Duft und führt mich weg zu neuem bunten Leben.

So sprach es Faust und lässt damit tief blicken: da ist jemand, der unzufrieden mit dem ist, was er tut, aber anstatt aktiv zu werden, seinen Hintern hochzubekommen und sein Leben substanziell zu ändern, wartet der feine Herr auf Geister, das Schicksal, den Zufall, ein Silbertablett oder den roten Teppich. Nur um nicht aus eigenem Antrieb sein altes Leben hinter sich lassen zu müssen, verkauft der gute Faust seine Seele lieber an Mephisto, den Teufel. Wie das ausgegangen ist, hat sich rumgesprochen. -Und alles nur, weil der kluge Dr. Faust unbedingt jemanden brauchte, der ihm das Händchen hält und für ihn mit dem alten Leben Schluss macht. Auch dem armen Gretchen wäre so einiges erspart geblieben…

Sicherheitsbedürfnis und Veränderungslust

Seit dem Erscheinen von Goethes Faust im Jahr 1808 ist schon eine Menge Wasser den Rhein runtergeflossen und man könnte meinen, die Evolution hätte die ein oder andere Möglichkeit gehabt, den Menschen weiterzuentwickeln. Leider scheint dem mit Nichten so. Wir Menschen stellen unser Sicherheitsbedürfnis noch immer über alles und raus aus der Komfortzone erscheint geradezu verrückt. Manchmal sind wir Menschen sogar lieber unglücklich, als dass wir uns trauen, unser gewohntes Terrain zu verlassen. Klar, damals in der Höhle, da gab es sicher einige ganz besonders mutige und abenteuerlustige Urmenschen, die mit dem Mut-Gen ausgestattet neugierig von den bekannten Pfaden abgewichen sind. Leider wurden die wahrscheinlich alle von Säbelzahntigern gefressen oder haben sich verlaufen und konnten ihre Gene nicht mehr weitergeben. Übrig geblieben sind ausgesprochen vorsichtige und konservative Urmenschen, deren Verhaltensweisen in dieser alten, gefährlichen und wenig komplexen Welt ausgesprochen erfolgreich war. Säbelzahntiger gibt es aber nicht mehr, Verlaufen ist dank Navi und Handy auch kein Thema mehr und auch mit “fremden” Stämmen schlagen wir uns nicht mehr ständig gegenseitig die Köpfe ein (wobei, hier scheinen gewisse Entwicklungen gerade wieder rückläufig). Das sind die guten Nachrichten. Irgendwie scheint die Welt deutlich sicherer als damals in der Steinzeit. Unsere moderne Welt ist aber auch deutlich komplexer und dynamischer geworden und stellt uns Menschen vor ganz neue Herausforderungen. Denn was früher Lebensgefahr bedeutete, ist heutzutage eine wichtige Voraussetzung für Erfolg und Zufriedenheit. Und so stehen wir da, wie seinerzeit der gute alte Dr. Faust, mit zwei Seelen, die in unserer Brust wohnen. Die eine klammert sich in tiefstem Sicherheitsbewusstsein an Altbekanntem fest, denn der Spatz in der Hand… - Ihr wisst Bescheid! Zum Glück ist da ja noch diese andere Seele, die neugierige, die begriffen hat, dass sich unsere Welt inzwischen so schnell dreht, dass der Spatz in der Hand auch ganz schnell an Wertigkeit verlieren kann. Klar kann man das jetzt so machen wie Faust und warten, bis jemand kommt, der diese Seele an die Hand nimmt und ihr raus hilft aus der alten, bekannten Routine, um ihr die Möglichkeit zu geben, sich weiterzuentwickeln. Aber was ist, wenn dieser Jemand nie kommt, oder wenn es der Teufel ist?

Auf der Suche nach den eigenen Ressourcen

Wenn wir nun also entscheiden, nicht auf den Teufel zu bauen, braucht unsere ängstliche, neugierige Seele eine andere Hand, die ihr die Sicherheit gibt, die sie braucht, um ihre Komfortzone zu verlassen und sich auf neue Wege zu begeben. In der letzten Woche hatte ich gleich mehrere Gespräche über Ressourcen, die wir alle in uns tragen und die es sind, die uns erfolgreich machen, wenn, ja wenn wir uns erstmal darüber bewusst sind, dass wir sie haben. Als ich im letzten Herbst angefangen habe darüber nachzudenken mit der Fliegerei aufzuhören, war eine sehr präsente Frage die, ob ich den neuen Aufgaben denn überhaupt gewachsen sei und ich habe mich vielleicht zum allerersten Mal in meinem Leben wirklich damit beschäftigt, was ich alles kann, worin ich gut oder sogar sehr gut bin, sprich auf welche Ressourcen ich mich verlassen kann, wenn ich meine sichere Komfortzone verlasse um mich auf bislang unbekannte Wege zu begeben. Das war mein Mephisto, der mich an die Hand genommen hat, mir Sicherheit und Vertrauen gegeben hat, ganz ohne, dass ich dafür meine Seele verkaufen musste.

Und wenn ein ganzes Unternehmen entscheidet aufzuhören um neu anzufangen?

Wisst ihr, was wirklich verrückt ist? Mein neuer Arbeitgeber ist im Prinzip in der gleichen Situation, wie ich es bin. Mit der agilen Transformation hat man dort auch entschieden, die bekannten Pfade zu verlassen. Man hat den Spatz in der Hand losgelassen, weil man sich bewusst darüber war, dass die Welt sich immer schneller dreht und man verstanden hat, dass Spatzen in absehbarer Zukunft einfach nicht mehr ausreichend sind. Diese Entscheidung war sicher nicht einfach, aber man hat es geschafft, rechtzeitig mit dem Alten aufzuhören, um in der Weiterentwicklung und somit eben auch auf Erfolgskurs zu bleiben.

Im Rahmen solcher agilen Transformationen stellt sich natürlich auch die Frage nach den Ressourcen. Die Antwort darauf ist recht einfach! Ich zitiere mich hier mal selbst: der Mensch ist und bleibt der Schlüssel zum Erfolg komplexer Systeme. So wie ich mir gerade täglich Gedanken darüber mache, ob und wie ich meine Ressourcen bestmöglich nutzen kann, sind (agile) Unternehmen gut beraten, alles nur Mögliche zu tun, ihren Mitarbeitern Strukturen und eine Unternehmenskultur zu bieten, die es jedem einzelnen ermöglichen, ihr oder sein gesamtes Potenzial abzurufen. Hierbei braucht es auch Vertrauen und Sicherheit auf allen Seiten: Manager werden plötzlich zu Servant Leader, die ihren Mitarbeitern ganz viel Autonomie und Freiraum geben sollen, was vor allem bedeutet, ihnen zu vertrauen. Und die Mitarbeiter brauchen ihrerseits großes Vertrauen, um diesen Freiraum zu nutzen, um kreativ zu sein, neue Wege zu gehen. Denn an dieser Stelle könnte ich nochmals aus Goethes Faust zitieren: “Es irrt der Mensch so lang er strebt.” Wer Menschen Raum gibt, Neues auszuprobieren, der muss auch damit rechnen, dass nicht alles zu einem großen Erfolg wird. Legt der Mensch erstmal los, sind Fehler schlicht und ergreifend systemimmanent, unvermeidbarer Teil eines für agile Unternehmen erforderlichen Lernprozesses, den die Harvard-Professorin Amy Edmondson als Lernende Organisation beschreibt. Als Mitarbeiter brauche ich die Sicherheit, auch Fehler machen zu dürfen, um daraus zu lernen, weil sie unvermeidbar sind, wenn ich die altbekannten Flugrouten der Spatzen in unseren Händen verlasse.

Der Aufbau dieses Vertrauens, sowohl innerhalb eines Unternehmens, als auch zu sich selbst, ist ein Prozess, der Zeit braucht und ist abhängig von den Erfahrungen, die man macht und natürlich ist und bleibt jeder einzelne Schritt, auch in einem agilen Unternehmen, eine Risikoabwägung. Wie agil wollen wir sein und wie agil müssen wir sein? Ja, mehr Agilität kann zunächst auch eine höhere Fehleranfälligkeit bedeuten. Die Anzahl dieser Fehler können nur durch High Performance Teams minimiert werden und für High Performance braucht es Vertrauen. Ich als Agile Coach sehe es als meine Aufgabe, dabei zu helfen, dieses Vertrauen und die damit zusammenhängende Offenheit nach Kräften zu fördern und zu unterstützen um aus der Sicherheit dieses Vertrauens Schritt für Schritt immer autonomer und agiler werden zu können. Dazu muss man eben auch Risiken eingehen. Ein sehr kluger Mann hat mal gesagt, dass der sicherste Ort für Schiffe der Hafen sei! Aber dafür sind Schiffe nun mal nicht gemacht. Oder um es in meiner “alten” Sprache zu sagen: die sicherste Airline ist die, die nicht fliegt. Tja, um nicht nur total sicher, sondern auch (wirtschaftlich) erfolgreich zu sein, muss man etwas riskieren! - Jeder einzelne von uns ebenso wie jede Organisation!

Offen für Neues

Das ist eine wirklich spannende Reise, auf der ich mich gerade befinde. Alles scheint sich langsam aber sicher ganz natürlich zu fügen. So gesehen ist der Anfang gar nicht so schwer, stressig ja, schwer nein! Was wirklich schwer war, war das Alte, Sichere, Liebgewonnene loszulassen, obwohl einem Teil von mir schon lange klar war, dass er sich unbedingt weiterentwickeln möchte, raus aus der Komfortzone, die für mich ehrlichgesagt nämlich nicht nur Sicherheit, sondern auch Langeweile bedeutet hat. Aber auch das muss man erstmal für sich erkennen. Nur für den Fall, dass es euch ähnlich geht, schaut doch auch mal, ob das Vertrauen in euch selbst, in eure Ressourcen und Fähigkeiten, euch vielleicht auch die Sicherheit geben kann, um aus der Komfortzone zu treten und offen für all das Neue zu sein, dass auf euch zukommt.

Eure Constance

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Wer neue Wege gehen will muss die alten erstmal verlassen

… und nur dann geht’s auch hoch hinaus!

Was ist wirklich wichtig? -Onboarding die Fünfte!

Helau und Alaaf…

Was Clowns mit meinem Onboarding zu tun haben? Eigentlich nichts! Aber verdammt, morgen ist Rosenmontag und wie so vieles in den letzten elf Monaten verstreicht auch dieser für mich besondere Moment einfach so, ohne auch nur einen Moment inne zu halten. Ich merke an mir, dass ich langsam aber sicher immer unzufriedener werde. - Um nicht zu sagen, mir reicht’s! Und das hat natürlich mit der Frage, was denn nun wirklich wichtig ist, zu tun. Die Antwort darauf ist super individuell. Mir wäre es jetzt langsam aber sicher mal wieder wichtig, meine Freunde zu sehen, zu tanzen und zu feiern. Klar, ich bin ja auch keine Risikogruppe und arbeite auch nicht auf einer der total überlasteten Intensivstationen. Halte ich mir das vor Augen, dann schaffe ich es doch irgendwie Tag für Tag weiterhin zuhause zu bleiben und den Ist-Zustand auszuhalten. All jenen, die langsam aber sicher immer deutlicher um ihre wirtschaftliche Existenz fürchten müssen, fällt dieses Aushalten bestimmt deutlich schwerer als mir. Ich freue mich für die Frisöre, die ja bald wieder loslegen dürfen, gleichzeitig tun mir all die Gastronomen, Kosmetiker, Inhaber kleiner Geschäfte und so weiter unendlich leid. Was ist denn nun wirklich wichtig? Die Wirtschaft? Der Schutz der vulnerablen Gruppen? Menschen vor den psychischen Folgen eines Lockdowns zu schützen, oder vor den physischen Folgen einer weiteren Welle? Eine europäische Lösung? Das Beste für Deutschland? Schulen auf? Schulen zu? Das ist alles ganz schön komplex und am Ende bin ich froh, dass ich nicht festlegen muss, was wirklich wichtig ist, um danach den Weg eines ganzen Landes auszurichten. Ich tue mir ja mit meinem eigenen Weg gelegentlich schwer genug.

So viel zu lernen, so viel zu tun

Mein eigener Weg führt mich dann auch direkt zu meinem Onboarding. Denn während meiner letzten Arbeitswoche kam die Frage, was denn wirklich wichtig ist, gleich mehrfach auf. Zum einen habe ich mich selbst immer wieder fragen müssen, wo denn nun meine Prioritäten sind, um nicht den Überblick zu verlieren. Außerdem ist mir immer wieder die Frage begegnet, was denn wichtiger sei, Mindset oder Methode. Und dann war da auch noch die Frage, was denn nun das Ziel der Tätigkeit eines Agile Coaches sei.

In aller Bescheidenheit fange ich mal mit mir selbst an. Inzwischen verstehe ich recht gut, was ich zukünftig zu leisten in der Lage sein sollte. Hierfür bringe ich in der Tat schon recht viel mit, allerdings konnte ich auch ganz klare Entwicklungsräume definieren, die ich in der letzten Woche auch gemeinsam mit meiner Chefin in meiner Zielvereinbarung für mein erstes Jahr festgehalten habe. Im Wesentlichen ist es so, dass ich mir sicher bin, bereits alles das mitzubringen, was ich als Coach und Teamentwickler brauche, um erfolgreich arbeiten zu können. Was mir jedoch noch fehlt ist mehr Basiswissen (oder agile Methodenkompetenz) um noch kompetenter und sicherer beraten zu können. Kanban, Lean, Obeya, da ist noch Luft nach oben bei mir! Diese Erkenntnis war leider mein ganz großes Dilemma, denn eigentlich hätte ich mich total gerne in Richtung Design Thinking, bzw. PACE weiterentwickelt, weil ich gerade Design Thinking total spannend finde. Ich finde es passt toll zu Scrum und würde mein persönliches Portfolio super gut ergänzen. Aber da war sie wieder, die Frage, was (in diesem Jahr) wirklich wichtig ist! Und genau diese Frage habe ich mir vor zwei Wochen bereits selbst sehr deutlich beantwortet. In meinem vorletzten Blog habe ich euch von den sogenannten OKRs, den Objectives und Key Results, berichtet. Parallel dazu habe ich mir mein eigenes Ziel, also mein Objective, und die drei Meilensteine, die mich diesem Ziel näherbringen, also meine Key Results, definiert. In den letzten zwei Wochen habe ich mich tatsächlich jeden Tag nach getaner Arbeit gefragt, was ich an diesem Tag alles getan habe, um mein Ziel, nämlich das Ankommen in der Bank, im neuen Job und bei meinen Coachees, zu erreichen.

In den ersten drei Tagen habe ich tatsächlich sogar völlig vergessen, was ich mir als Ziel und Meilensteine gesetzt habe. Na ja, es war auch wirklich viel los! -VUCA eben! An Tag vier hatte ich alles zwar im Kopf, habe es aber tagsüber immer wieder vergessen. So habe ich vor mich hin gewerkelt und abends, wenn ich mir meine OKRs angeschaut habe, war ich heilfroh, wenn ich jeden Tag mehr oder weniger zufällig etwas getan habe, was dem Ganzen zuträglich war. In der zweiten Woche gab es tatsächlich Momente, in denen ich mich bevor ich auf etwas aufgesprungen bin bewusst gefragt habe, ob das denn nun hinsichtlich meines großen Ziels sinnhaft ist, oder ob es mich vielleicht sogar von meinem Ziel abbringt. Tja, und hinsichtlich meiner Zielvereinbarung war die Versuchung so groß, dass ich mich fast selbst von meinem eigentlichen Kurs abgebracht hätte… Tja, sie machen halt doch Sinn, all diese “fancy” Methoden der schönen neuen Welt der New Work. -Leider! Deshalb muss Design Thinking noch ein Jahr warten!

Methode oder Mindset… Verlaufen im Dschungel der Agilität

Diese Welt der New Work wartet gefühlt wöchentlich mit neuen Methoden auf. Letzte Woche tauchte so plötzlich Kata in meiner Arbeitswelt auf. Schon wieder so eine neue Methode, von der ich gefühlt zu wenig Ahnung habe und die ich mir möglichst schnell erarbeiten müsste… Ich habe tatsächlich gemerkt, dass ich innerlich in den Widerstand gegangen bin. Mir hat es gereicht. Ich wollte mich lieber zunächst in all dem “alten Neuen” zurechtfinden, eh ich mir schon wieder etwas Neues erarbeiten muss. Wie es wohl meinen zukünftigen Kunden oder Coachees gehen würde, wenn ich all diese schicken und durchaus auch sinnvollen Methoden einführen würde? - Nachdem sie gerade erst alles auf links drehen mussten, weil so eine agile Transformation alles gehörig auf den Kopf stellt? Geht es denen am Ende womöglich genau wie mir und sie gehen in den Widerstand, weil alles einfach zu viel wird? Verstehen könnte ich es.

Was mir in der letzten Woche wirklich geholfen hat, Kata zwar zur Kenntnis zu nehmen und es dann auch wieder loszulassen ohne darüber zu meckern, dass da ja schon wieder etwas Neues ist, war, dass ich Kata sofort einordnen konnte, weil ich für mich verstanden habe, was Agilität im Kern bedeutet.

Agilität ist nicht die stumpfsinnige Reproduktion der neusten Methoden, sondern das Verständnis dessen, was dahintersteckt. Oder anders ausgedrückt: was ist wirklich wichtig, um agil zu sein?

  • Das Verständnis dafür, dass ich mich in einem dynamischen und komplexen Umfeld bewege, in dem sture Schwarz-Weiß-Malerei nicht mehr zielführend ist.

  • Die Akzeptanz dafür, dass ich alleine nicht in der Lage bin, diese Dynamik und Komplexität zu managen. Das Team ist der Schlüssel zum Erfolg und meine Kollegen sind meine wertvollste Ressource.

  • Die Erkenntnis, dass es am Ende meine Kunden sind, die mich erfolgreich machen und ich deshalb mein Produkt oder meine Dienstleistung von Anfang an auf meine Kunden ausrichten sollte.

Habe ich das einmal verstanden, dann darf ich mir die Methoden heraussuchen, die mich bestmöglich dabei unterstützen, den Fokus zu wahren oder den Überblick nicht zu verlieren, Voraussetzungen für meine Kollegen zu schaffen, die ihnen die Sicherheit geben, um gemeinsam ihre beste Leistung abzurufen (kleiner Seitenhieb auf die großartige Amy Edmondson und die Psychological Safety) und dafür sorgen, dass ich alles das, was ich tue, auf meine Kunden ausrichte. Am Ende sind es doch immer wieder die gleichen Füße in unterschiedlichen Schuhen…

Auch Coaches verlieren mal die Ausrichtung… Oder doch nicht?

Ja, die Möglichkeiten in der New Work scheinen schier endlos. Deshalb sind auch die Ansatzpunkte für Agile Coaches ähnlich vielfältig, was das Leben wirklich bunt und abwechslungsreich macht. Allerdings bieten all diese Möglichkeiten eben auch das Potenzial sich in ihnen zu verlaufen. Aus diesem Grund ist es auch für uns Coaches wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, was wir mit unseren Maßnahmen erreichen wollen. Auch wir Coaches dürfen hierbei nicht die Bedürfnisse unserer Kunden aus den Augen verlieren, denn um sie geht es. Es geht darum, unseren Kunden dabei zu helfen, ihren ganz eigenen und für sie stimmigen Weg hin zur High Performance zu finden. Arbeitet man nun als Team agiler Coaches in einem großen Unternehmen, ist es absolut notwendig, sich als Coaches auszutauschen, an einem Strang zu ziehen und sich gemeinsam zu fragen, was denn nun wirklich wichtig ist. Das ist ein spannender und anspruchsvoller Prozess, auf den ich mich wirklich freue. Denn wer glaubt, dass Coaches besser darin sind, sich zu fokussieren, als ihre Coachees, den muss ich enttäuschen. Auch Coaches unterliegen den Zwängen des Menschseins! Ich bin gespannt, wie meine Reise gemeinsam mit meinem neuen Team hier weitergehen wird!

Heute schon ‘nen Clown gefrühstückt?

Was hilft euch denn dabei, den Fokus nicht zu verlieren? Und wie geht es euch mit Veränderungen und Neuerungen? Und dem Lockdown? Was ist für euch momentan wirklich wichtig? Darüber was in diesem Corona-Wahnsinn wirklich wichtig ist, denke ich noch immer nach. Parallel dazu denke ich an diesen Fassenachts-Sonntag, an dem ich als Clown gefrühstückt habe, total verkatert und in der Hoffnung, dass mich O-Saft, Croissant und Kaffee für den nächsten Umzug wieder fit machen… Am Ende hat ein Pikkolöchen mein Problem gelöst und ich bin mir sicher, ich werde noch viele Rosenmontage feiern können, im nächsten Jahr vielleicht sogar noch etwas ausgelassener als sonst. Aber für den Moment scheint es tatsächlich wirklich wichtig zu sein, vernünftig und geduldig zu bleiben, auch wenn es in dieser komplexen und dynamischen Welt tausende Störfeuer gibt, die immer wieder versuchen, mich von meinem Fokus abzubringen.

Helau und Alaaf ihr Fasenachter und Karnevalisten… Und für den Fall, dass ihr die Liebe zur Fasenacht nicht verstehen könnt, ihr nicht nachvollziehen könnt, warum einem der Rosenmontag wichtig sein könnte, ist das nicht schlimm. Jeder hat seine besonderen Daten im Kalender, Daten, die uns wichtig sind. Über die Wichtigkeit von Weihnachten als Familienfest wurde ja zum Beispiel unglaublich viel und öffentlich diskutiert. Aber was bleibt ist eben die Frage was wirklich wichtig ist.

Ich werde sicher noch den ein oder anderen traurigen Moment haben, aber ich werde mich versuchen, auch darauf zu freuen, dass die Zeit wiederkommt, in der wir diese besonderen Feste wieder feiern können. Und bis dahin ist es eben wirklich wichtig, dass so wenig Menschen wie möglich an diesem sch*** Virus sterben, denn hier geht es nicht um Zahlen und Statistiken, sondern um Familien und Schicksale und es gibt jetzt schon zu viele Familien, die ihre Feste im nächsten Jahr mit dem Gefühl feiern müssen, dass jemand fehlt.

Eure Constance

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Nein, heute leider keinen Clown gefrühstückt

Aber hoffentlich wieder im nächsten Jahr!